Eine brutal große Hürde


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ManuelS
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 07.12.2016
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 08.12.2016, 22:31    Titel: Eine brutal große Hürde Antworten mit Zitat

Ich bin Manuel und ich möchte euch einfach von meinem Coming-Out erzählen was sich über mehrere Jahre hinausgezögert hat.

Bei mir hat sich der Bezug komplett hin zu Männern "schleichend" entwickelt. Meine erste große Liebe wie man es kennt mit dem erschlagen sein vom Anblick dieser Person war in der 3.Klasse ( ja dritte Klasse da gab es sowas schon xD )...und es war ein Mädchen, Teresa hieß sie. Leider sind wir nie zusammen gekommen, leider auf damals bezogen. Auch auf der weiterführenden Schule war ich anfangs noch auf Mädchen fixiert, ohne mich wirklich in eine richtig verliebt zu haben. Irgendwann so ab Klasse 7-8 im Alter von 16 Jahren konnte ich langsam merken dass ich auch was für Jungs übrig habe. Der Gedanke "hey ich könnte schwul sein" war dort aber noch nicht sooo präsent, ich merkte einfach dass die Jungs mit denen man zu tun hatte alle sehr sehr nett waren und ja, man hat sich in der Umkleidekabine während dem Sportunterricht auch nach ihnen umgedreht. Trotzdem war das Thema Mädchen nicht abgehakt.

Die Zeit schreitete voran, man wurde erwachsen, volljährig und das Interesse an Jungs ließ nicht nach, nein es wurde sogar stärker, Mädchen interessierten nur noch freundschaftlich. Und leider fing mit dem Gedanken dass man wirklich schwul ist die schwere Zeit an. Mit all den Jahren musste ich mich immer wieder vor Familie und Freunden erklären warum ich denn noch keine Freundin hätte, ich wäre doch ein sooo netter Kerl. Immer wieder musste ich mir irgendwelche anderen Ausreden einfallen lassen warum ich immer noch single bin, und jedes mal war es Stress pur.

Es kam eine Zeit wo ich eine Beziehung mit einer Frau hätte eingehen können. Aber ich habe mir gedacht "Manuel, das wäre einer der größten Fehler den du in deinem Leben bisher machen würdest". Ich hätte weder mir, noch ihr, sie heißt Sarah, einen Gefallen getan...früher oder später wäre es aufgeflogen und ich hätte mich ungewollt offenbart, denn für das Outing war ich definitiv noch nicht bereit. So ließ ich den Kontakt nach und nach abflachen und sie im Unklaren woran es gelegen hat; im Nachhinein ziemlich assi...

Weitere Jahre verstrichen, weitere Geheimniskrämerei war angesagt und diese ewigen Ausreden und Begründungen warum man denn immer noch single sei mehrten sich.

Es wurde 2016, ich wusste wohlgemerkt seit ca. 9 Jahren dass ich definitiv schwul bin: Ich lernte einen Arbeitskollegen sehr gut kennen ( er ist hetero ) und es begann eine ziemlich gute Freundschaft...für ihn Freundschaft, ich fühlte mehr. Gefühle entwickelten sich bei mir, ich genoß die Zeit mit ihm sehr. Doch sobald er sich mit einer Frau getroffen hat wurde ich eifersüchtig, und ich konnte einfach nicht sagen warum ich dann manchmal etwas komisch war.

Die Nächte mehrten sich wo ich nicht mehr gut geschlafen habe und einfach nicht mehr der fröhliche Mensch war der ich eigentlich bin. Fragen an meine Person "hey ist alles gut" beantwortete man zwar immer noch sehr gezwungen mit "klar muss", doch es war einfach eine einzige Lüge. Tränen flossen Abends wenn ich mal wieder alleine zuhause war weil ich um den Ernst der Lage wusste dass es mir nicht gut ging mit meinem Geheimnis und dass ich das Thema Outing nun endlich mal angehen muss. Ich entschloss mich eine Beratungsstelle aufzusuchen. Die nette Psychologin aus der KATHOLISCHEN Institution erkannte den Ernst der Lage sehr schnell, denn ich musste das Thema nur ansprechen und ruck zuck waren sämtliche Tränendrüsengeleert und die Nase war frei von Rotz. Sie empfahl mir dringend mein Outing zu starten, aber auch mit viel Verständnis dass dies alles andere als einfach ist.

Es kam der Tag als ich abends einen Kumpel eingeladen hatte zum Gespräch. Auch bei ihm floss viel Rotz und Wasser während ich mich geoutet habe. Ich merkte in diesen Tagen wieviel Druck und Balast sich all die ca. 9 Jahre angestaut hatte.

Ja dann war es passiert, der erste Kumpel wusste bescheid...und ihm war es vollkommen egal. Sätze wie "du bist der selbe Manuel" wie vorher hörte ich in den folgenden Wochen nur sodass für mich wirklich alles so weitergeht wie vorher; und das war einer dieser Gedanken die mich immer getrieben haben "bricht es wie ein Kartenhaus zusammen???". Eigentlich habe ich es mir immer gedacht dass es für niemanden ein Problem sein sollte, aber sich etwas denken und es definitiv wissen ist einfach ein Unterschied. Diese Hürde zu nehmen ist unglaublich hoch.

Gott sei Dank kann ich bei mir behaupten dass sich wirklich rein gar nichts geändert hat bei mir, sowohl Familie als auch alle Freunde darf ich nach wie vor mein Eigen nennen, und darüber bin ich einfach nur unglaublich glücklich. Es ist nicht übertrieben wenn ich sagen kann dass ich zumindest ein etwas anderer Mensch für mich geworden bin, OHNE Geheimnisse.

Was ich sagen will: Jungs, wenn ihr Angst vor dem Outing habt: Ich kann es total nachvollziehen, aber wartet nicht so lange wie ich ( 27 ) mit dem Outing, denn ich habe gemerkt dass man sich einfach durch Gedanken machen kaputt machen kann, und das sogar ohne Grund. Wer mit Homosexualität ein Problem hat der kann es gerne für sich behalten und steht meiner Meinung nach vermehrt alleine da.
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xasrax
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Anmeldungsdatum: 07.06.2016
Beiträge: 3524

BeitragVerfasst am: 08.12.2016, 22:36    Titel: Eine brutal große Hürde Antworten mit Zitat

Eine schöne Geschichte mit Happy End Smilie
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Sighco
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Anmeldungsdatum: 29.07.2016
Beiträge: 3483

BeitragVerfasst am: 08.12.2016, 23:13    Titel: Re: Eine brutal große Hürde Antworten mit Zitat

ManuelS hat folgendes geschrieben:
Ich bin Manuel und ich möchte euch einfach von meinem Coming-Out erzählen was sich über mehrere Jahre hinausgezögert hat.

Wehe das wird nur eine Geschichte! Wenn du keine Probleme hast, mach ich dir welche. Sehr böse

ManuelS hat folgendes geschrieben:
und es war ein Mädchen, Teresa hieß sie.

Und ihr Name interessiert uns weil..? Wenn sie eine Bettina gewesen wär könnt ich das ja noch verstehen, aber so... Mit den Augen rollen

ManuelS hat folgendes geschrieben:
Irgendwann so ab Klasse 7-8 im Alter von 16 Jahren konnte ich langsam merken dass ich auch was für Jungs übrig habe.

Da würde mich jetzt mal interessieren, was man mit 16 noch in der 7.-8. Klasse zu suchen hat? Zweifel

ManuelS hat folgendes geschrieben:
Ich hätte weder mir, noch ihr, sie heißt Sarah, einen Gefallen getan...

Und wenn sie Sabrina oder Janina heißen würde, wär mir das auch egal... Mit den Augen rollen

ManuelS hat folgendes geschrieben:
im Nachhinein ziemlich assi...

Davon kann sich die Charlotte jetzt aber auch nix mehr kaufen...

ManuelS hat folgendes geschrieben:
Die nette Psychologin aus der KATHOLISCHEN Institution erkannte den Ernst der Lage sehr schnell, denn ich musste das Thema nur ansprechen und ruck zuck waren sämtliche Tränendrüsengeleert und die Nase war frei von Rotz.

Es ist ja scheinbar nochmal gutgegangen, aber wie kann man denn in der Situation auf die Idee kommen, ausgerechnet eine katholische Psychologin aufzusuchen? Das ist ja als würde sich das Reh dem Jäger selbst auf den Dachgepäckträger schnallen... Zweifel

ManuelS hat folgendes geschrieben:
Sie empfahl mir dringend mein Outing zu starten, aber auch mit viel Verständnis dass dies alles andere als einfach ist.

Mit anderen Worten, sie hat dir nichts erzählt das du nicht schon selbst wusstest, Psychologie scheint eine hohe Kunst zu sein... Mit den Augen rollen

ManuelS hat folgendes geschrieben:
Bla bla bla, Mimimi, Bla bla.

Das war ja tatsächlich nur eine Geschichte!
Da friert einem ja Herz und Hirn zu, wenn man sowas liest...
2/10 mit viel gutem Willen...
'Tschuldigung..._________________
Make DBNA Great Again!

Anonym1 stellvertretend für alle DBNAler hat folgendes geschrieben:
@Sighco Traf genau meinen Humor. Und ich verstehe, was du damit meinst.

Psychopath hat folgendes geschrieben:
Wenn du eine Nutte wärst, würdest du nicht mal angefasst werden aufgrund deiner Ignoranz die über deine nicht vorhandene Attraktivität dominiert.
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ManuelS
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 07.12.2016
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 09.12.2016, 10:02    Titel: Eine brutal große Hürde Antworten mit Zitat

Die Namen der Mädchen tun wahrscheinlich wirklich nichts zur Sache.

Dass es eine katholische Institution ist habe ich erst im Nachhinein erfahren. Ich habe eine Anlaufstelle aufgesucht um mich einfach jemand unabhängigen mit meinem Anliegen zu öffnen, weil es mir einfacher viel mit jemandem darüber zu sprechen den man nicht persönlich kennt.

Aber ich denke ich muss mich für keine Passage meines Beitrags rechtfertigen.
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FierceCinnamon
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Anmeldungsdatum: 19.10.2014
Beiträge: 1468

BeitragVerfasst am: 10.12.2016, 01:40    Titel: Eine brutal große Hürde Antworten mit Zitat

Naja bei mir ist das "innere Comingout" schneller gegangen, dann habe ich aber noch 6 Jahre gewartet es jemandem zu erzählen, da ich in dem jungen Alter - wie ich dachte- eh nicht ernst genommen werden würde und sich für mich in dieser ländlichen Gegend auch nichts Tatsächliches ergeben würde .. aber dennoch hat sich so eine Aggression in mir aufgestaut, wenn "heteronormative Aussagen" getätigt wurden, also mir nahegelegt wurde, eine Freundin anzuschaffen, oder gesagt wurde, dass ich ja eh Kinder bekommen würde und heiraten würde ... Ich habe nie versucht, zu verbergen, dass ich das nicht will. Ich wurde dann aber eher als Nerd oder unterentwickelt wahrgenommen, da es für viele in der Familie einfach unvorstellbar schien, dass es so etwas wie Homosexualität auch in einer "anständigen" Familie geben könnte.

aber auf jeden Fall stimmt es, was du sagst, dass man durch Abwarten doch nur einen inneren Druck aufrechterhält und man besser fährt, wenn man sich der Situation stellt, auch wenn man sich allein gelassen und ohne Unterstützung fühlt
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Neugieriger



Anmeldungsdatum: 06.08.2014
Beiträge: 13

BeitragVerfasst am: 11.12.2016, 23:06    Titel: Eine brutal große Hürde Antworten mit Zitat

Hey Manuel,

ich habe deine Coming-Out-Story sehr interessiert gelesen und finde es echt top wie gut es bei dir gelaufen ist! Das macht mir auf jeden Fall etwas Mut, da ich mich momentan in einer ähnlichen Situation befinde, wie du es vor deinem Coming-Out warst. Ich bin ebenfalls 27, allerdings habe ich erst vor etwa 3 Jahren mir richtig eingestehen können, dass ich schwul bin. Bisher habe ich mich noch nicht aus der Deckung getraut um mal Kontakte zu knüpfen, geschweige denn mich bei jemandem zu outen. Es gab ein paar zaghafte Versuche, z.B. bin ich einmal in eine Jugendgruppe gegangen, aber dabei blieb es auch. Allerdings merke ich immer mehr, dass mir eine feste Bindung im Leben fehlt und ich mich nach einer Partnerschaft sehne, in der ich mich aufgehoben fühle.

Ein Problem ist bei mir, dass ich jemand bin, dem es wichtig ist bei anderen beliebt zu sein und folglich sehr darauf achtet wie andere über mich denken. Meine größte Befürchtung ist, dass sich meine Familie und mein Freundeskreis nach einem Outing mir gegenüber anders verhalten. Ich könnte mir zwar vorstellen, dass vielleicht einige zu mir sagen würden, dass sie es nicht schlimm finden würden, sie aber trotzdem einen anderen Umgang mit mir haben bzw. den Kontakt vielleicht sogar etwas abflachen würde.

Immer wieder verfalle ich dem Gedanken, es doch vielleicht mit einem Mädchen zu versuchen und gehe dann bei ein paar Dating-Apps auf die Suche. Allerdings weiß ich genau, dass ich damit vor meiner Situation eigentlich wegrenne und ich einer möglichen Freundin früher oder später das Herz brechen würde, weil ich meine Gefühle vermutlich nicht ewig unterdrücken kann. Ein Teil von mir möchte einfach immer noch dem gesellschaftlichem Ideal entsprechen (Frau, Haus und Kinder), wobei ich nicht weiß, ob das wirklich meine eigenen Träume sind oder ob ich das nur will, um meine Eltern glücklich zu machen und es einfacher im Freundeskreis zu haben.

Ich hoffe, dass ich irgendwann mal auch den Mut finde, den nächsten Schritt zu gehen. Mich macht diese Situation mehr und mehr fertig und irgendwann kann ich das nicht mehr aufschieben. Hoffentlich nimmt es bei mir ein ähnlich gutes Ende wie bei dir Winken
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