Unique Boy

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Hugo91
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 27.11.2016
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 24.01.2017, 23:27    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

Wow !
Das war total ergreifend, sehr gefühlvoll! Für solche "Zwischenteile" brauchst du dich echt nicht entschuldigen.
Danke für den tollen Teil!
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KayuB
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 23.02.2016
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 26.01.2017, 10:43    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

@Hugo91: Hey, das freut mich total, dass es dir so gefallen hat. Hab immer das Gefühl, wenn ich eher so Kapitel poste, wo nicht so viel passiert, dass es vielleicht langweilig sein könnte, aber irgendwie gehört das ja auch dazu ;D

Muss nur leider sagen, dass ich ab Montag erst weiter schreiben kann, hab diese Woche echt keine Zeit, aber ab Montag hab ich wieder mehr Zeit, um dann auch mehrere Kapitel zu posten:)
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KayuB
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 23.02.2016
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 31.01.2017, 20:00    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

-6-
"Die Uhr schlägt 12. Das Mädchen weint. Die Uhr schlägt 1, gleich ists vorbei. Und dort du siehst, wie er nun steht, der Umhang der sich sichtlich dreht. Das Haus es singt und schreit, hier wo sich Spaß mit Kunst vereint. Dem Tode nah, du musst ihn retten, das ist wohl klar."


Schweißgebadet riss ich meine Augen weit auf. Was zum Teufel war das gerade? Ich hatte einen verdammt seltsamen Traum. Ich habe Jack gesehen und hatte einfach ein ungutes Gefühl dabei. Es war ein Gefühl der Trauer, ähnlich wie bei Caroline. Ich wusste sofort, dass er in Lebensgefahr war...und dann war da diese Stimme, die dieses Gedicht aufsagte. Du musst ihn retten, das ist wohl klar, hallte weiter in meinem Kopf nach.
Ich fragte mich, ob es wirklich nur ein Traum war oder vielleicht eine Art Vision? Oh Gott, ich war mir total unsicher. Dieses komische Gedicht ging mir ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf. Ich wollte es noch nicht richtig wahrhaben. Es durfte keine Vision sein, nicht noch eine. Das konnte doch nicht bedeuten, dass ich auch sein Leben retten musste? Ich hoffte nicht und schloss vorerst wieder meine Augen. Ich war einfach noch so verdammt müde...

Schule war so anstregend und nervig. Aber jetzt war endlich Pause und dies war die perfekte Gelegenheit, mich mit Caroline zu unterhalten.
"Ich hatte einen komischen Traum.", gestand ich ihr, während sie in ihr Pausenbrot biss. Wir saßen gerade in der Mensa der Schule, in einer hinteren Ecke, damit wir ungestört reden konnten.
"Okay. Erzähl mir mehr.", sagte sie freudig, während sie weiter genüsslich in ihr Brot biss.
"Es geht um Jack."
"Oha.", unterbrach sie mich sofort. "Du hast ihn ausfindig gemacht?"
"Nein, nicht ganz.", antwortete ich.
Mein Plan war es, ihn aufindig zu machen, beziehungsweise herauszufinden, wo er wohnt, was er macht oder was auch immer. Ich brauchte einfach Anhaltspunkte, um mit ihn in Kontakt zu kommen, aber das Internet half mir bisher leider vergeblich.
"Ich hatte einen komischen Traum. Es ging um Jack, total verrückt. Ich habe ihn gesehen und eine Stimme gehört, ich glaube er ist in Lebensgefahr."
Ich versuchte es kurz zusammenzufassen und das Wesentlichste auf den Punkt zu bringen.
Carolines Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. Wieder setzte sie ihr ernsten Blick auf.
"Das ist verrückt. Nicht er jetzt auch noch...", flüsterte sie mir zu.
"Vielleicht ist das der Zusammenhang.", versuchte ich ihr zu erklären. "Vielleicht muss ich euch beide irgendwie retten."
"Das ist total verrückt. Also war das eher eine Vision als ein Traum, meinst du?"
Ich wusste es nicht. Es war irgendwie anders und immerhin war ich am Schlafen.
"Vielleicht soetwas ähnliches."
"Was hast du gesehen?", fragte sie mich ernst.
"Nur ihn und eine Stimme, die ein Gedicht aufgesagt hat. Es klang alles so verdammt rätselhaft."
Ich sagte ihr das Gedicht flüsternd auf und ich bekam genau die Reaktion, die ich von ihr vermutete. Nämlich pure Verwirrung.
"Was sollen wir denn damit anfangen?", fragte sie mich entsetzt. "Wenn ich das richtig verstehe, haben wir nur bis 1 Uhr Zeit?"
"Denke ich auch.", sagte ich. "Es ist jetzt halb 12Uhr."
Caroline konnte jetzt nicht mehr ruhig bleiben. Ich sah ihr sofort an, dass sie panisch wurde.
"Dann bleibt uns kaum noch Zeit, verdammt. Wir müssen ihn finden."
"Ich hab keine Ahnung, wie!", sagte ich verzweifelt und versuchte noch mal in mich zu gehen. Ich hatte irgendwelche übernatürlichen Fähigkeiten. Keine Ahnung, wie weit ich damit gehen könnte. Keine Ahnung, wozu ich alles in der Lage war, aber wenn ich die Zeit anhalten konnte und Gegenstände zum Fliegen bringen konnte, dann müsste es doch auch funktionieren, Jack ausfindig zu machen.
"Ups. Ist das nicht Kotziline?", hallte plötzlich eine Stimme hinter mir. Oh nein. Es war Jessica. Sie hatte anscheined doch mitbekommen, dass Caroline sich übergeben hatte. Verdammt...ich dachte wirklich, dass ich das hätte aufhalten können.
Jessica war gerade in ihrer gewohnten Mädchenclique zu dritt unterwegs. Sie stellten sich um unseren Tisch und warfen lachende Blicke auf Caroline zu.
"Du kennst wohl noch nicht deine Grenzen, was?", fragte Jessica und schaute ihre Mädels lachend dabei an.
Ich sah Caroline an, dass sie nicht so Recht wusste, was sie darauf antworten sollte. Ich wusste, dass momentan einfach so vieles in ihr vorging. Weitaus größere Probleme als Jessica. Es ging immerhin um ihr Leben.
"Und das muss ich mir wirklich von der größten Schlampe der gesamten Schule sagen lassen, ja? Lieber schluck ich Alkohol, als...du weißt schon." Caroline grinste sie kurz an und schaute schließlich wieder mich an. Ich bemerkte sofort, die gesamte Anspannung zwischen uns allen, sie war deutlich zu spüren. Ich hatte ehrlich gesagt auch nicht erwartet, dass Caroline direkt kontern würde, aber das zeigte nur, dass sie auch nicht gerade die beste Laune hatte.
Für wenige Sekunden schien es so, als wäre Jessica sprachlos und ihre beiden Freundinnen schauten sie ebenfalls entsetzt an.
"Das wirst du bereuen, Kotziline. Das wirst du bitter bereuen.", sagte Jessica drohend und setzte ein unheimliches Grinsen auf.
"Ach ja. Marvin heißt dein Freund, richtig?"
"Was ist mit ihm?", fragte Caroline sofort und in ihrer Stimme konnte man ihre geballte Wut heraushören.
"Den hatte ich auch schon.", sagte sie und lachte ihre beiden Freundinnen dabei an. Ich konnte nicht glauben, was sie da gerade gesagt hatte. Ich war mir auch nicht sicher, ob sie es wirklich ernst meinte, oder sie Caroline lediglich provozieren wollte.
"Du Miststück!", schrie Caroline und sprang von ihrem Platz auf. Sie rannte auf Jessica zu und schlug ihr direkt ins Gesicht. Es ging alles so schnell, dass sie gar keine Chance hatte, sich überhaupt zu wehren.
"Caroline, nein.", sagte ich und versuchte sie aufzuhalten, doch sie hatte sich bereits auf Jessica gestürzt. Zusammen lagen sie jetzt auf den Boden und kämpften gegeneinander. Sie zogen sich an den Haaren und schlugen sich teilweise gegenseitig wieder ins Gesicht. Ich ging sofot auf Caroline los und versuchte sie wegzuziehen. Gleichzeitig versuchten Jessicas Freundinnen sie ebenfalls wegzuziehen. Sofort bemerkte ich auch, dass ein Großteil der Aufmerksamkeit der Mensa nun auf uns gerichtet war. Es durfte jetzt auf keinen Fall weiter gehen, sonst würde es nur Ärger geben. Ich hatte für einen Bruchteil einer Sekunde schon darüber nachgedacht, die Zeit anzuhalten, aber das wäre wohlmöglich kein guter Zeitpunkt jetzt.
Schließlich gelang es mir Caroline von Jessica zu befreien. Ohne viele Worte zu verlierne, zerrte ich sie aus der Mensa raus, nach draußen auf den Schulhof.
"Bist du jetzt völlig wahnsinnig geworden?", fragte ich sie aufgebracht. "Willst du von der Schule fliegen?"
Caroline war noch völlig aufgebracht, ihre Atmung war schnell und ihr Herz war sicherlich am rasen. Sie konnte mir gar nicht richtig in die Augen schauen, ich spürte, dass sie wütend war...wütend und traurig zu gleich.
"Es geht mir nicht gut.", flüsterte sie und fing an zu weinen. "Ich werde sterben, Chris." Sie wischte sich eine Träne aus ihrem Gesicht. "Und das was sie eben über Marvin gesagt hat, hat mich einfach nur verletzt. Wer weiß schon, ob es stimmt?", fragte sie mich verheult. "Ich liebe ihn, aber ich glaube er liebt mich nicht.", flüsterte sie wieder und ich sah in ihren Augen, dass sie sich wohlmöglich langsam eingestand, dass er ihr nicht gut tat. "Er hat sich seit dem Maskenball nicht mal mehr bei mir gemeldet, ich weiß gar nicht was los ist." Wieder wischte sie sich eine Träne aus ihrem Gesicht. Sie schien sich schon fast gar nicht mehr einzukriegen. "Mein Leben ist ein Chaos. Aber hey...es ist ja bald vorbei."
Ihre Worte schmerzten so sehr. Ich konnte und wollte das alles nicht mehr länger mitanhören. Ich hatte jetzt plötzlich ein ganz seltsames Gefühl, als ich sah, wie ihre Tränen ihre Wangen runterliefen. Ich beobachtete den Weg der Tränen, entlang der Wangen, bis zum Kinn und letztendlich wie sie auf den Boden tropften. Schließlich schaute ich auf mein Handy und bekam Gänsehaut am ganzen Körper. Sie verbreitete sich rasch und mir wurde klar, dass der Traum nicht einfach nur ein Traum war.
"Die Uhr schlägt 12, das Mädchen weint.", flüsterte ich und starrte Caroline dabei an. Es war jetzt genau 12 Uhr und sie stand weinend vor mir.
"Das Gedicht. Kein Traum.", sagte ich einfach nur. "Jack ist in Lebensgefahr, jetzt ist es sicher."
Mit einem Male schien sich Caroline zu beruhigen und wischte sich schließlich die letzten Tränen aus ihrem Gesicht. Es war jetzt wichtiger Jack zu finden, immerhin hing ihr Leben davon ab.
"Uns bleibt eine Stunde den Ort ausfindig zu machen.", sagte Caroline mit einem pessismistischen Unterton.
Ich wusste es ja, sie musste mich ja nicht daran erinnern. Ich ging das Gedicht mehrere Male in meinem Kopf durch. Was konnte es bloß bedeuten? Dieser Umhang? Das singende und schreiende Haus? Ein Zusammenspiel aus Spaß und Kunst? Ich wurde daraus noch nicht wirklich schlau.
"Tanz der Banditen", sagte Caroline plötzlich, als wäre ihr ein Licht aufgegangen.
"Was? Wovon redest du?"
"Von der Theateraufführung, Chris!!!", antwortete sie freudig und strahlte mich dabei an. "Das Theater ist damit gemeint. Tanz der Banditen spielt heute. Dort wird gesungen und geschrien. Es ist Kunst und Menschen schauen sich das an, um unterhalten zu werden. Es ist das Theater, hundert prozentig!", sagte sie zuversichtlich und ihre Worte machten einfach total Sinn. Sie war einfach so super schlau und dafür liebte ich sie, denn ohne sie, wäre ich wohlmöglich niemals darauf gekommen.
"Okay. Das heißt er wird im Theater sein...und um ca 1 Uhr in Lebensgefahr schweben. Wir müssen uns sofort auf den Weg machen!", sagte ich. Es war so verrückt. Mein Gott, wie oft benutzte ich dieses Wort eigentlich in letzter Zeit? Ein rätselhafte Stimme spricht mit mir im Traum und jetzt sowas. Wenn das alles stimmte, dann war Jack in Lebensgefahr und zwar im Theater. Ich musste sein Leben retten und damit auch Carolines.

Caroline fuhr mich mit ihrem Auto hin und hielt direkt vor dem Theater. Wir schänzten die letzten Stunden in der Schule, aber das würde schon nicht auffliegen, hofften wir.
"Lauf sofort rein, ich kann hier nicht parken. Du hast nur noch paar Minuten.", forderte sie mich auf. Ohne zu zögern, öffnete ich die Tür des Autos und stürmte in das Theater hinein. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Ich wusste nicht, wie ich das alles aufhalten sollte, ich hatte ja überhaupt keinen Plan von überhaupt irgendetwas. Ich vermutete lediglich, dass Jack hier war und sich das Theaterstück Tanz der Banditen anschauen würde...und ja...dann würde irgendetwas passieren, was ihn umbringen könnte. Ich war so froh endlich hier zu sein. Irgendwie war ich auch froh ihn wieder zu sehen, auch wenn ich wusste, dass er eine Freundin hatte. Ich schaute ihn einfach total gerne an. Er hatte eben diese Ausstrahlung, die mich faszinierte.
Neben der Angst vor der Ungewissheit, durchströmte mich ein Gefühl des Glücks, denn das musste einfach der Zusammenhang sein. Ich musste Jack und Caroline das Leben retten. Und wenn ich ihm das Leben retten könnte, dann würde ich das auch bei Caroline schaffen.
Es war jetzt genau 1 Uhr und ich hatte Angst, dass ich wohlmöglich zu spät kommen würde. Ich öffnete die Tür des Theaters und stürmte hinein. Das erste Bild, was ich sah, war die Bühne. Ich sah einen maskierten Mann, der einen Umhang trug und sich einmal um sich selbst drehte. "Und dort du siehst, wie er nun steht, der Umhang der sich sichtlich dreht." Ich war jetzt total nachdenklich. Ich wusste nicht, wo ich als nächstes hinschauen sollte. Wo war bloß Jack? Die Zeit schien mir davon zu laufen. Langsam geriet ich in Panik. Was sollte ich als nächstes tun? Einfach nur abwarten? Doch schnell musste ich bemerken, dass ein Großteil der Aufmerksamkeit auf mich gelenkt war. Es war nur ein kleines Theater und ich bin buchstäblich reingeplatzt. "Dem Tode nah, du musst ihn retten, das ist wohl klar.". Der Satz hallte wieder in meinem Kopf nach und ich hatte Angst, dass ich es nicht schaffen würde. Doch die nächsten Geschehnisse verwirrten mich immer mehr und ich wollte jetzt am Liebsten im Boden versinken. Der maskierte Mann wurde auf der Bühne von einem anderen maskierten Mann mit einem Schwert angegriffen und umgebracht. Ohne lange darüber nachzudenken, wurde mir soeben klar, dass Jack niemals in Lebensgefahr schwebte. Denn er war es. Er war der tote maskierte Mann, der gerade auf dem Boden lag. Nur eben nicht wirklich tot, sondern gespielt. Oh Gott, das durfte alles nicht wahr sein. Er war nie wirklich in Lebensgefahr...dieser ganze Traum, diese Vision, diente nur dazu mir seinen Aufenthaltsort zu offenbaren. Und ja, was soll ich sagen. Genau das wollte ich unbewusst auch. Aber damit war die Theorie hinfällig, dass ich sein Leben ebenfalls retten musste. Also stand ich wieder am Anfang. Naja, vielleicht nicht ganz, denn nun hatte ich ihn gefunden und mich mal wieder blamiert. Denn immernoch stand ich einfach an der Eingangstür und die Menge starrte mich fragend an, was ich hier eigentlich machte. Die Aufführung schien jetzt auch zuende zu sein, Jack stand auf und sein erster Blick traf sofort mich. Oh Gott...warum musste ich mich bloß immer so furchtbar blamieren.


So. Wieder eher so ein Übergangskapitel, aber gut Sehr glücklich und wieder etwas abgehakter ehrlich gesagt, aber hoffentlich gefällt es euch trotzdem. Smilie.
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Aldebaran22322
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 13.03.2013
Beiträge: 17

BeitragVerfasst am: 09.02.2017, 20:38    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

Wann kommt unsere Nächste "gute Nacht Geschichte"? ^^
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KayuB
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 23.02.2016
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 09.02.2017, 23:29    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

-7-
Zeit. Was bedeutet schon Zeit? Welche Bedeutung hat Zeit in unserem Leben? Welchen Einfluss nimmt die Zeit darauf? Wir wissen, dass alles vergänglich ist und uns allen irgendwann die Zeit davon läuft. Sie läuft konstant in eine Richtung, ohne jemals anzuhalten, ohne jemals die Richtung zu wechseln. Wir werden geboren, leben und sterben, das ist der Lauf der Dinge und dies haben wir zu akzeptieren...Das jedenfalls sollte man meinen. So leben wir alle unser Leben, mit dem Wissen, dass Zeit begrenzt ist...Doch ich wusste, dass das nicht wahr war. Wir alle wissen, dass Zeit relativ ist, doch niemand hätte es für möglich gehalten, sie wirklich beeinflussen zu können. Auch ich nicht. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt in meinem Leben, der alles veränderte.
Hier stand ich nun. Im Theater. Meine Umgebung war starr und still, völlig zeitlos. Niemand bewegte sich. Kein einziger konnte auch nur ein Wort sagen. Ich hatte sie zum Schwiegen gebracht, ich habe die Gesetze der Physik durchkreuzt und mit meinem Willen das Unmögliche geschaffen. Ich wünschte mir so sehr, dass ich die Zeit einfach zurückdrehen könnte. Das würde vieles erleichtern. Ich würde so einiges ändern. Doch das konnte ich nicht..aber wer weiß, vielleicht konnte ich das ja einfach noch nicht.
Jack starrte mich von der Bühne aus an. Viele der Menschen, die vor der Bühne Platz nahmen, hatten ihre Aufmerksamkeit auf mich gerichtet. Sie starrten mich an. Viele von ihnen waren verwirrt, ich konnte das Fragezeichen in ihrem Gesicht gerade so heraus ablesen. Andere schienen genervt zu sein, dass ich einfach reinplatzte und wiederrum andere lächelten mich tatsächlich an. Aus welchem Grund auch immer. Ich war für das hier verantwortlich. Denn in diesem Augenblick war ich mal wieder überfordert mit der Situation. Ich schämte mich..ich hatte mich mal wieder in eine peinliche Situation hineingeraten und wusste jetzt nicht, wie ich dieser entkommen sollte.
Genau genommen hatte ich nun zwei Optionen. Ich würde das Theater verlassen und sobald die Zeit weiterlaufen würde, wäre ich sozusagen spurlos verschwunden. Es würde Verwirrung in allen auslösen, jeder würde sich fragen, was gerade passiert sei. Doch je länger diese Menschen darüber nachdenken würden, desto mehr würde es sie verwirren. Wahrscheinlich würden sie es einfach vergessen...oder machte ich mir das vielleicht doch zu einfach?
Die andere Option wäre, dass ich mich meiner Angst stelle. Ich warte bis die Zeit weiter läuft, stelle mich dieser peinlichen Situation und rede mit Jack...und ja...eigentlich war ich doch genau deswegen hier. Um mit ihm zu reden. Augen zu und durch hieß es jetzt also...denn mal wieder schwirrten mir zu viele Gedanken durch den Kopf und dabei gab es nur eine einzig richtige Lösung.
Mit einem Male kehrte wieder Leben im Raum ein. Die starren Gesichter hatten wieder Leben in sich, die Menschen bewegten sich, nuschelten im Hintergrund und die meisten drehten sich einfach wieder zurück und schauten auf die Bühne...und dann war da Jack. Jack, der mich immer noch anstarrte. Sein Blick blieb gleich, er starrte mich einfach nur an. Ich konnte nicht erkennen, ob er verwirrt war oder vielleicht sogar glücklich war mich zu sehen. Vielleicht beides? Doch immer noch blieb er da einfach stehen und ich konnte eine gewisse Anspannung zwischen uns spüren, obwohl er meterweit von mir entfernt war. Doch selbst aus dieser Entfernung konnte ich seinen schönen blauen Augen funkeln sehen...und mal wieder musste ich mich dabei ertappen, was für dumme Gedanken ich doch manchmal hatte. Vergiss seine Augen, Chris. Konzentriere dich auf die Aufgabe. Lernen ihn kennen, provoziere Visionen und rette zum Teufel noch mal deiner besten Freundin ihr gottverdammtes Leben!
Die Menschen standen nun auf, die Aufführung war vorbei. Sie verließen den Raum und ich ging einfach nur zu Seite und ließ sie davongehen. Ich blieb einfach hier stehen, denn ich musste mit ihm reden...und ehrlich gesagt hatte ich noch gar keine Ahnung, was ich sagen sollte. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das erklären sollte und noch weniger wusste ich, wie ich engeren Kontakt zu ihm aufbauen sollte. Es war ne spontane Aktion und mir blieb gar nicht mehr viel Zeit darüber nachzudenken...falls alle Stricke reißen, müsste ich nochmal die Zeit anhalten, um zu überlegen..Ja, das wäre noch eine Option.
Der Raum war schließlich leer. Nur noch Jack, weitere Schauspieler, die die Bühne aufräumten und ich. Jack kam endlich auf mich zu und hatte dabei ein Lächeln aufgesetzt. Gut, dass er lächelte, das nahm mir irgendwie ein Stück meiner Nervosität.
"Hey?", sagte er fragend. "Was machst du denn hier?"
Tja...was machte ich hier? Genau genommen, ihn ausnutzen, um Caroline das Leben zu retten. Das klang irgendwie fies, aber genau genommen, stimmte es irgendwie.
"Ich will ehrlich sein.", antwortete ich und musste dabei schlucken. Ja, warum nicht? Warum nicht einfach mal ehrlich sein? Ich hatte es satt zu lügen...So viel zu meiner Spontanität.
"Mir geht diese Maskenballparty einfach nicht aus dem Kopf.", gestand ich ihm. Er lächelte mich immer noch an, aber er wirkte gleichzeit verwirrt.
"Was genau meinst du?"
"Ich will jetzt nicht komisch sein.", sagte ich. "Aber das wird jetzt komisch klingen."
"Okay...", antwortete er lediglich. "Du kannst echt alles sagen. Habe ich was verbrochen?",fragte er mich schließlich und fing an zu lachen.
"Nein.", entgegnete ich ihm lächelnd. "Ehrlich gesagt habe ich gedacht, dass das heute anders abläuft, aber ich denke, die Zeit läuft mir einfach davon. Sie läuft konstant in eine Richtung, verstehst du."
Sie läuft kontanst und wir sind nicht in der Lage sie zurückzudrehen. Ja, das wurde mir in diesme Moment wieder bewusst. Denn ich konnte es nicht. Ich konnte die Zeit lediglich anhalten und das hieße, dass ich nur eine Chance hatte Caroline das Leben zu retten und das hieße auch gleichzeitig, dass ich jetzt alles richtig machen musste und keine Zeit verlieren durfte. Aus diesem Grund ging ich jetzt einen gewagten Schritt, der vermutlich einfach nur verrückt war.
"Ich verstehe nicht...", antwortete er und die Verwirrtheit in seinem Gesicht stieg immer mehr an. Oh Gott, ich überforderte ihn völlig.
Jetzt waren wir ganz alleine im Theatersaal. Die letzten Schauspieler verließen den Raum und ließen uns sozusagen alleine. Das gab mir irgendwie ein gutes Gefühl. Denn das was ich vorhatte, war wirklich nicht leicht.
"Hast du einen besten Freund, eine beste Freundin? Oder einen Menschen, den du einfach über alles liebst? Einen Menschen, den du niemals verlieren kannst, weil du sonst genau weißt, dass dein Leben sonst genauso verloren wäre?"
Die Verwirrtheit in seinem Gesicht wurde wirklich nicht weniger. Oh man, ich drückte mich vielleicht auch etwas überemotional aus, aber mein Gott...warum eigentlich nicht? Ich hatte wirklich nichts zu verlieren..
"Warum fragst du mich das?", fragte er mich und lächelte gleichzeitig. "Und ja, das alles klingt bisher tatsächlich komisch."
"Tut mir leid.", sagte ich nur. Meine ganze Rede war einfach nur total spontan. Ich wusste zwar worauf ich hinaus wollte, aber es fiel mir so verdammt schwer. Es war wirklich nicht leicht und ich hatte das Gefühl, dass ich ihn mit jedem Satz etwas mehr abschreckte.
"Ich bin hier, weil ich wusste, dass du hier sein würdest.", erklärte ich ihm und bemerkte gleichzeitg, dass ich mich mal wieder völlig falsch ausgedrückt hatte. Das klang so, als wäre ich sein Stalker.
"Also ich wusste es, weil ich es geträumt habe.", ergänzte ich schließlich und bemerkte immer noch, dass ich mich immer tiefer in ein Chaos hineinritt.
"Oh Gott, tut mir leid. Das klingt alles so verrückt, ich kann meine Gedanken gerade selbst nicht ordnen."
"Schon gut.", sagte er vorsichtig. "Ist alles in Ordnung bei dir?"
"Nein.", antwortete ich ohne zu zögern. "Gib mir einfach deine Hand, dann erkläre ich es dir."
Wow, Chris. Du hast dich soeben selbst übertroffen. In seiner Gegenwart konnte ich einfach nicht klar denken. Ich schaffte es nicht vernünfitge Sätze rauszubringen, ohne dass er vermutlich dachte, dass ich völlig verrückt sei.
"Chris, das tut mir jetzt auch leid, aber ich weiß grad wirklich nicht was du von mir willst. Und ehrlich gesagt, habe ich auch nicht mehr so viel Zeit."
Wow, okay. Irgendwie schmerzte es. Er versuchte dabei nett zu bleiben und ja, er war es auch. Konnte man es ihm denn verübeln? Dennoch lief es gerade nicht so wie geplant. Nichts lief wie geplant. Wann hatte ich jemals einen Plan?
"Meine beste Freundin ist in Lebensgefahr und du bist wohlmöglich der Schlüssel, um sie zu retten.", sagte ich gerade heraus und blickte ihm direkt in seinen eisblauen Augen.
"Alles klar.", sagte er lediglich. Unsere Blicke trafen sich nicht mehr. Er schien das Gespräch einfach zu beenden und lief einfach an mir vorbei. Aber das konnte ich nicht zulassen.
"Halt.", sagte ich und nahm seine Hand, in der Hoffnung, eine Vision oder sonst etwas auszulösen...und ja...als ich seine Hand für wenige Augenblicke berührte, duchströmte mich eine Flut an Gefühlen. Mit einem Male fühlte ich mich elend. Diese Flut durchströmte meinen ganzen Körper und zwang mich meine Augen zu schließen. "Allison", flüsterte eine Stimme in meinem Kopf. "Du rockst das, Baby.", flüsterte die Stimme weiter und für einen Bruchteil einer Seunde sah ich zwei Hände, wie sie einander festhielten...als nächstes sah ich eine Frau in einem Bett. Sie hatte ihre Augen geschlossen und daneben saß Jack. Er hielt ihre Hand und weinte...diese Flut von Gefühlen überwältigte mich und mit einem Male konnte ich wieder meine Augen öffnen.
"Sorry, Chris, aber ich habe keine Zeit für sowas.", sagte Jack und kehrte mich wieder den Rücken zu.
"Allison", sagte ich lediglich und er blieb mit einem Male stehen.
"Was?", flüsterte er. "Was hast du da eben gesagt?"
Er drehte sich wieder zu mir und starrte mich mit feuchten Augen an.
"Ich habe Kräfte, Jack, von denen ich selbst nicht schlau werde. Kräfte, die unsere Vorstellungskraft sprengen. verstehst du."
"Nein, ich verstehe nicht.", sagte er jetzt mit einem ernsten Ton, schon fast wütend.
"Woher kennst du ihren Namen? Was hat das zu bedeuten? Was soll das alles? Es war ne coole Party und du bist ein netter Typ, aber wir kennen uns nichtmal.", erklärte er mir. Er hatte Recht. Wir kannten uns nicht und ich redete so mit ihm, als würden wir es tun. Wohlmöglich weil mich diese Vison von unserem Kuss beeinflusste. Immerhin konnte ich es in diesem Mometn auch spüren. Aber das wusste er ja nicht...ich überforderte ihn gerade.
"Also?", fragte er mich und starrte mich immer noch an. "Du willst mir also sagen, dass du irgendwelche Kräfte hast, ja? Das ist es?"
Genau genommen, wollte ich ihn sagen, dass ich ihn brauchte...und das habe ich auch schon.
"Du rockst, das Baby.", flüsterte ich und mit einem Male erkannte ich, wie seine Augen immer feuchter werden. Auch ich hatte jetzt komischerweise Gänsehaut am ganzen Körper. Aus seinem ernsten Blick wurde allmählich ein trauriger...und dennoch merkte ich ihm an, dass er die Welt nicht verstand.
"Ich weiß nicht wer sie war, aber du hast es ihr gesagt, als sie im Sterben lag."
Ich war mir noch nicht ganz sicher, was ich da gesehen hatte, aber es schien eindeutig ein bereits vergangenes Ereignis gewesen zu sein.
"Das kann niemand wissen, wir waren alleine..", flüsterte er überwältigt. "Das war unser Ding. Der von meiner Schwester und mir...Woher weißt du das alles?"
"Keine Ahnung.", gestand ich ihm und war dabei so ehrlich, wie es nur ging. "Ich sehe Dinge...ich beeinflusse Dinge, auf eine Art und Weise, die nicht natürlich ist. Also keine Ahnung. Ich kann es einfach."
"Ich verstehe rein gar nichts mehr.", hauchte er und schaute mich so an, wie Caroline es damals getan hatte. Er war überwältigt, aber es zersörte gleichzeitg sein gesamtes Weltbild.
Und auch das konnte ich ihm nicht verübeln.
"Um deine Frage zu beantworten, ich hatte diesen Menschen. Diesen Menschen, den ich über alles geliebt habe."
Die Rede war von seiner Schwester und ich konnte mir nur ausmalen, dass es vermutlich seine ganze Welt zerstört hatte. Es tat mir unendlich weh das zu hören. Er tat mir gerad wirklich leid. Ich überrumpelte ihn mit Dingen, die er nicht verstand, holte Erinnerungen aus der Vergangenheit hervor, die er vermutlich am liebsten einfach verdrängten wollte und dann erwartete ich auch noch, dass er mir helfen würde. Ich fühlte mich gerade schrecklich und irgendwie auch egoistisch.
"Das tut mir so leid...aber dann kannst du sicherlich verstehen, wie wichtig es mir ist.", flüsterte ich und wollte ihn am liebsten in den Arm nehmen. Aber die Situation war schon komisch genug, also ließ ich es sein. Er wischte sich vorsichtig eine Träne aus seinem Geischt. Ich bemerkte, dass er stark sein wollte und schon gar nicht wollte er vor mir weinen.
"Schon okay.", sagte er und versuchte jetzt ernst zu bleiben. "Ich weiß zwar immer noch nicht was das soll und wie du das machst, aber je länger ich darüber nachdenke, desto verrückter würde es mich vermutlich machen."
"Richtig.", flüsterte ich...Dieser Satz kam mir ziemlich bekannt vor.
"Und ich soll dir helfen? Euch helfen?"
"Ja.", ertönte plötzlich eine vertraute Stimme von weiter weg. Ich erkannte sie sofort. Es war Caroline.
"Tut mir leid, ich habe gelauscht.", musste sie gestehen.
"Meine beste Freundin, du kennst sie...nur leider nicht in ihren besten Zuständen.", erklärte ich ihm.
"Danke nochmal für deine Rettung.", sagte sie und ging langsam auf uns zu.
"Ich versteh das alles nicht...", sagte Jack und starrte Caroline verunsichert an.
"Ich werde sterben, wenn du uns nicht hilfst.", sagte Caroline ernst und blickte ihm in seine Augen. Die beiden tauschten sekundenlang Blicke aus und ich merkte, dass Jack allmählich verstand, dass wir nicht einfach nur verrückt waren, sondern es wirklich ernst meinten.
Ja...dieser Tag hatte mal wieder so einiges verändert. Jacks Leben vor allem. Immr noch wusste ich nicht, wohin das Ganze führen sollte. Jack schien uns noch nicht hunderprozentig zu trauen, aber das war nur verständlich. Es gab noch zu vieles, das er wissen und vertehen müsste. Erst dann könnte er bereit dazu sein uns zu helfen.
"Es tut mir leid, das ist einfach zu viel grad.", antwortete Jack plötzlich und kehrte uns beiden den Rücken zu. Caroline und ich trauten unseren Augen nicht. Warum tat er das? Nach alldem? Wir verstanden die Welt nicht mehr. Ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen, ging er durch die Tür und ließ uns mit Fragenzeichen über unseren Köpfen stehen. Damit hatte ich jetzt nicht mehr gerechnet. Ich hatte ihn anders eingeschätzt und dachte, dass er uns jetzt wirklich helfen würde, auch wenn wir ihn gerade maßloß überforderten...
Zeit. Jetzt musste ich überlegen, ob es nicht vielleicht ein Fehler war es ihm zu sagen. Wieder stellte ich mir vor, wie ich einfach die Zeit zurückdrehen würde. Doch das konnte ich nicht. Zeit bedeutete für mich jetzt einfach alles. Aber sie schien mir tatsächlich davonzurennen...


Ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen und wie immer würde ich mich über Rückmeldungen riesig freuen, denn die motivieren mich wirklich seeeehr Sehr glücklich Smilie!
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Hugo91
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 27.11.2016
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 10.02.2017, 10:04    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

Ok, zunächst einmal das Gedicht aus -6- , hast du das selbst komponiert? Mir kommt das so bekannt vor...! In jedem Fall, nicht schlecht! Darauf muss man erstmal kommen Winken
Oh man, du hast echt n talent auf die Tränendrüse zu drücken... mit so wenigen Worten so viel Emotion darzustellen ist echt gut! Studierst du Germanistik oder Psychologie? Das würde wohl passen ...
Eine Bitte habe ich jetzt noch:
Lass ihn bitte nicht die Zeit zurückdrehen können! Das hast du hier etwas angedeutet und ich glaube das fände ich allein schon der Spannung wegen schade...
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KayuB
Neugieriger



Anmeldungsdatum: 23.02.2016
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 10.02.2017, 17:20    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

@Hugo91: Ah, ich freue mich immer echt über deinen Kommentare, das freut mich echt Smilie Vielen vielen dank dir:). Also das mit dem Gedicht, ich weiß nicht, kann sein, dass ich das unterbewusst vielleicht irgendwo übernommen habe die Sturktur oder so, aber auf jeden Fall nicht bewusst! Sehr glücklich Dass das mit den Emotionen so gut rüber kommt, freut mich echt. Das war mir wirklich wichtig und es scheint auch gut zu funktionieren allem Anschein. Und nein, ich studiere nichts dergleichen Sehr glücklich Aber bin wirklich froh, dass das so rüber kommt haha:p.
Zu der Zeitsache: Eigentlich war das eher so gemeint, dass er merkt, dass er es eben nicht schafft die Zeit zurückzudrehen. Damit wollte ich lediglich verdeutlichen, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt und er eben genau seine nächsten Schritte überlegen muss, da er nur eine Chance hat. :p

-8-
Das Gefühl der Hilflosigkeit verbreitete sich in meinem ganzen Körper. Was brachten einem übernatürliche Fähigkeiten, die einem das Unmögliche ermöglichten, aber man dennoch nicht glücklich war? Ich habe mir dieses Leben nicht ausgesucht. Doch aus irgendeinem Grund führte ich dieses Leben jetzt...und mir war klar, dass ich vielleicht keine Zeit mehr hatte die Geschehnisse zu hinterfragen. Ich musste jetzt handeln. Einfach funktionieren.
"Das wars dann wohl.", hauchte Caroline und musste sich erstmal hinsetzen. Sie sah traurig aus. Irgendwie hilflos.
"Hey.", sagte ich ihr. "Das wars noch lange nicht. Wir geben nicht auf, nur weil etwas nicht nach Plan läuft."
Sie schaute nach oben, mir direkt in die Augen. Sie hatte einen ernsten Gesichtsausdruck, wirkte schon fast wütend.
"Nicht nach Plan läuft? Chris, unser Plan war es nicht, ihm von deinen Fähigkeiten zu erzählen.", sagte sie verzweifelt. "Ich dachte, du lernst ihn kennen und versuchst so Visionen zu provizieren, aber mit der Aktion hast du ihn vergrault..."Sie machte eine kurze Pause und ihr Blick wandte sich von mir ab. Sie schien jetzt sehr nachdenklich zu sein. "Und ganz ehrlich, ich kann es ihm nicht verübeln.", antwortete sie schließlich und ihr Gesichtsausdruck bleib immer noch so verdammt ernst. So kannte ich sie nicht. So ernst...so traurig...so wütend. Selten hatte sie so mit mir geredet und es wirklich ernst dabei gemeint.
"Es tut mir leid, ja? Ich war in Panik...ich wusste nicht was ich sagen sollte und ich dachte, dass die Wahrheit vielleicht einfach mal eine gute Idee wäre.", versuchte ich ihr zu erklären.
"Vielleicht hast du diese Kräfte, nicht um mich zu retten, Chris.". sagte sie plötzlich und in ihrer Stimme machte sich ein trauriger Ton bemerkbar. "Vielleicht hast du sie, damit ich, damit wir die letzten Momente meines Lebens einfach noch genießen können, verstehst du?", erklärte sie mir weiterhin. "Vielleicht ist es einfach Schicksal, dass ich sterbe und dies haben wir zu akzeptieren."
Sie stand jetzt auf und schaute mich mit nassen Augen an. "Und was tun wir stattdessen? Wir verschwenden die kostbare Zeit, indem wir versuchen vergeblich mein Leben zu retten."
"Caroline..", flüsterte ich. Mehr brachte ich momentan nicht raus. Mehr fiel mehr momentan einfach nicht dazu ein. Ich war sprachlos.
"Ich habe Angst, verstehst du. Angst, dass das alles umsonst ist und ich sterbe ohne nochmal richtig gelebt zu haben.", erklärte sie mir weiterhin. "Und ganz ehrlich. Du hattest eine Vision, in der ich sterbe, aber wir wissen nicht wann es passieren wird."
Nein, das wussten wir nicht...aber in meiner Vision war ihre Leiche jung und das wusste sie auch. Das hieße, dass nicht viel Zeit dazwischen liegen konnte.
"Mir ist egal, was du jetzt tun wirst.", sagte ich festentschlossen. "Ich kann dich verstehen, aber ich werde jetzt nicht aufgeben. Ich werde weiter machen und dein verdammtes Leben retten, Care."
Sie schüttelte vorsichtig ihren Kopf. Ihre Augen waren immer noch nass. Sie schaute mich wütend, aber gleichzeitig auch dankbar und stolz an.
"Ich möchte meine letzten Momente aber mit meiner Familie verbringen und du gehörst eben dazu.", sagte sie immer noch ernst.
"Ich werde nicht aufhören. In mir schlummern Kräfte, die das Unmögliche ermöglichen. Also wirst du nicht sterben, verstanden?"
Es herrschte nun Stille. Wir starrten uns gegenseitig einfach nur an. Wir beide hatten feuchte Augen und starrten uns gegenseitig einfach nur hilflos an. Niemand wusste mehr, was zu sagen war. Ich merkte, dass sie nicht wusste, was sie tun sollte.
"Ich liebe dich, Chris. Aber ich bin fertig damit.", sagte sie plötzlich fest entschlossen und kehrte mir den Rücken zu, so wie Jack es vorhin getan hatte.
"Care..", rief ich ihr nach, doch sie blieb nicht einmal stehen, sondern ging einfach weiter.
Als ich sie weggehen sah, stauten sich in mir Gefühle, die mich außer Kontrolle geraten ließen. Ich war wütend, dass sie so furchtbar schnell schon aufgegebn hatte. Warum tat sie das? Ich kannte sie so nicht. Sonst kämpfte sie auch immer. Wir hatten doch gerade erst angefangen und schon schmiss sie das Handtuch. Gleichzeitig war ich traurig, denn ich hatte Angst, dass ich sie bald nie wieder sehen würde. Ich liebte sie doch auch. Sie war meine beste Freundin, meine Seelenverwandte. Ich wollte nicht, dass es jetzt so endete. Ich konnte einfach noch nicht aufgeben, warum sollte ich es auch? Ich fing doch gerade erst an, meine Kräfte richtig zu entdecken. Aufgeben machte für mich wirklich keinen Sinn und dabei konnte ich ihren Standpunkt verstehen. Sie hatte eben Angst, dass sie die letzte Zeit, die ihr noch blieb, wohlmöglich verschwenden könnte. Ich konnte sie wirklich verstehen, aber das hieß noch lange nicht, dass ich das akzeptieren konnte. Die Trauer und die Wut stauten sich in mir und ich spürte sofort, dass eine mächtige Aura meinen Körper durchströmte. Wieder war da dieses Gefühl der tiefsten Zufriedenheit, der Ausgeglichenheit, ich fühlte mich gut und ich fühlte mich stark. Bereit, Dinge zu tun, die unmöglich waren.
"Halt!", sagte ich jetzt lautstark und mit einem Male knallte die Tür des Theater direkt vor Carolines Nase zu. Erschrocken blieb sie stehen und versuchte sie zu öffnen, doch vergeblich.
"Was soll das, Chris?", fragte sie mich wütend.
"Gib mir deine Hand, Care.", sagte ich ihr. "Diese machtvolle Aura durchströmt gerade meinen gesamten Körper...und ich habe das Gefühl, dass ich nur mit deiner Hilfe vollen Zugriff darauf habe, so wie in meinem Zimmer, als ich die Gegenstände zum Fliegen gebracht hatte, verstehst du?"
Diesmal ging sie ohne zu zögern sofort auf mich zu. Ihr Gang war schnell. Sie wirkte immer noch leicht gereizt und wenig überzeugt. Doch sie kam auf mich zu und ich hatte ein gutes Gefühl dabei.
"Hier, bitte.", sagte sie und klatschte ihre Hand in meine...Sofort hielt ich sie fest und musste mit einem Male spüren, wie sich ein unsichtbares Band um unsere Hände legte. Dieses Band verstärkte sich und ich bemerkte, wie es jetzt auch Carolines Körper anfing zu durchströmen.
"Ich spüre es auch...", hauchte sie vorsichtig. "Es fühlt sich unglaublich an."
Eine machtvolle Aura bildete sich um uns herum und in jeder Sekunde mehr schien diese sich zu verstärken.
"Das spüre ich immer, wenn ich diese Kräfte benutze.", erklärte ich ihr.
"Alles ist machbar...",flüsterte Caroline und sie schien es zu verstehen.
"Genau. Das jedenfalls denkt man, wenn einem diese Kraft durchströmt."
Denn ja, so fühlte es sich immer wieder an. Als könnte man alles auf der Welt erreichen, einfach nichts wäre unmöglich. Ein Gefühl der tiefsten Zuversicht.
Die Anspannung zwischen uns vergrößerte sich immer mehr und plötzlich fing unsere Umgebung an sich zu verändern. Wir beide realisierten noch nicht wirklich, was geschah, aber es war real. Unsere Umgebung veränderte sich. Das Dach des Theaters über uns schien allmählich zu verschwinden und aufeinmal erstreckte sich ein wolkenloser blauer Himmel über uns. Die Sonne schien und sie schien uns direkt ins Gesicht.
"Was zum Teufel passiert hier gerade?", fragte Caroline ängstlich. Ich wusste es nicht, denn ich hatte jetzt genauso viel Angst wie sie.
Der Holzboden unter uns verwandelte sich Stück für Stück in Pflasterstein und neben uns erstreckte sich eine große helle Wiese.
"Nicht loslassen, Care.", sagte ich ihr und versuchte sie zu ermutigen. Das was gerade passierte, war unglaublich und ich hätte es ebenfalls nicht für möglich gehalten. Was auch immer das gerade war.
Der Boden unter uns erhielt immer mehr Sturktur und jetzt konnte man auch einzelne Grabsteine und Gräber erkennen, die sich komplett um uns herum erstreckten. Ich befürchtete jetzt nur noch das Schlimmste. Denn ich erkannte diesen Ort sofort wieder. Hier war das Grab von Caroline in meiner Vision. Hier genau in der Nähe musste es sein.
"Ein Friedhof?", fragte Caroline verwirrt.
"Es ist wie eine Vision.", versuchte ich ihr zu erklären. "Aber ich glaube, dass wir die Vision jetzt quasi genau durchleben...viel realer,als es lediglich vor dem geistigen Auge zu sehen."
Ich brauchte nicht lange, um zu erkennen, dass Carolines Grab direkt neben uns lag.
"Dein Grab.", sagte ich vorsichtig. "Da ist es."
Als Caroline ihr eigenes Grab sah, schien sie für einen Moment zu erstarren. Ihr Gesicht wirkte starr, erschrocken. Sie hatte Angst, das konnte ich sofort spüren.
"Das Grab ist zu weit weg, um zu erkennen, wann mein Todestag sein wird.", sagte Caroline mit einem traurigen Unterton.
"Wir müssen uns loslassen.", sagte ich jetzt festentschlossen. Es schien keine andere Möglichkeit zu geben. Wir lebten die Vision gerade, wir befanden uns genau in ihr, also müsste es auch möglich sein, sich in ihr zu bewegen.
"Gut.", sagte sie und musste tief durchatmen. "Lassen wir es drauf ankommen." Sie lächelte schließlich und ließ meine Hand los. Ich spürte sofort, wie das unsichtbare Band zwischen uns beiden riss und Caroline löste sich von einer auf die anderen Sekunde einfach in Luft auf.
Aber ich war noch hier. Ich befand mich immer noch in dieser Welt, die eigentlich in der Zukunft spielte. War ich in die Zukunft gereist oder lebte ich einfach nur die Vision? Ich wusste es nicht. Noch nicht jedenfalls.
Ich wollte jetzt nicht viel Zeit verlieren und ging sofort auf das Grab von Caroline zu. Die Zahlen auf dem Graben wurden immer schärfer,je näher ich kam. Und schließlich stand ich direkt davor. Vor ihrem Grab, vor ihrem Grabstein. Ich hatte ein mulmiges Gefühl dabei hier zu stehen. Irgendwie hätte ich sofrot anfangen können loszuweinen, denn dieses Bild tat weh. Aber ich wusste, dass dies noch nicht geschehen war, ich wusste dass sie noch lebte. Also schaute ich mir das Datum an. Das Datum ihres Todestages.
Ich erkannte es und bekam Gänsehaut am ganzen Körper. Keine Sekudune länger dauert es und meine ganze Umgebung, fiel in sich zusammenzufallen. Der Himmel verlor an Farbe und plötzlich war dort wieder dieses Dach des Theaters, welches für Dunkelheit sorgte. Der Boden unter mir verschwand und nur wenige Momente später, war ich wieder auf einem Holzboden. Als letztes war dort noch Carolines Grabstein. Dieser fiel schließlich in sich zusammen. Und schließlich blickte ich Caroline direkt in ihre blauen Augen.
"Du warst hier, aber nicht ansprechbar.", erklärte Caroline mir.
Das sprach dafür, dass ich die Vision in meinen Gedanken einfach nur durchlebte, ohne dabei wirklich in der Zukunft gewesen zu sein.
"Also...", flüsterte sie mir traurig zu. "Wann werde ich sterben?"
Sie schaute mich ernst an und versuchte dabei keine weiteren Emotionen mehr auszudrücken. Sie versuchte standhaft zu bleiben.
"Uns bleiben noch vier Wochen und drei Tage...", brachte ich vorsichtig hervor. Es schmerzte so sehr diese Zahl auszusprechen. Es war kürzer als gedacht. Ich hätte wirklich gedacht, dass uns noch mehr Zeit bliebe.
"Wow, okay.", sagte sie verlor auf einem mal ihre standhafte Fassade. Die Traurigkeit in ihrem Geischt konnte man nun klar und deutlich ablesen.
"Hey.", sagte ich ihr und versuchte sie zu ermutigen. "Wir kommen voran, merkst du es nicht? Wir geben jetzt nicht auf...Du hast es ebenso wie ich gespürt. Alles ist möglich, Care."
Wieder herrschte Stille zwischen uns beiden. Wir schauten uns wieder lediglich traurig an und keiner wusste mehr so Recht was er sagen sollte.
"Okay.", antwortete sie. "Ich gebe nicht auf."
Da war sie endlich. Die Caroline, die ich kannte. Die, die niemals aufgeben würde. Die, die für ihre Ziele kämpfen würde und sie letztendlich auch erreichte. Das war die Caroline, die ich so sehr vermisste. Aber hier war sie wieder. Dass wir jetzt ihren Todestag kannten, machte nicht wirklich Mut, aber es zeigte, dass wir voran kamen und nicht auf der Stelle stehen blieben. Wir beide kannten meine Kräfte und wir wussten, dass wir es schaffen konnte. Das jedenfalls wusste ich...aber ich hatte allmählich das Gefühl, dass Carloline dies auch bald glauben würde.
"Vier Wochen sind zu kurz.", sagte sie. "Zu kurz, um mein Leben noch genießen zu können. Nein. Ich gebe nicht auf. Wir schaffen das richtig?"
Sie schaute mich mit ihren nassen Augen fragend an. Ich konnte jetzt nicth anders als sie einfach in den Arm zu nehmen.
"Und wie wir das schaffen.", flüsterte ich ihr zu. "Mir egal, ob das Jack zu viel ist. Ich werde ihn konfrontieren und er wird uns helfen, ob er will oder nicht."
Ja...ihr Tod kam immer näher und es wurde immer ernster. Nein, ich ließ mich jetzt nicht mehr davon abbringen und sie tat es auch nicht. Gemeinsam würden wir es schaffen...Jetzt mussten wir nur noch Jack davon überzeugen.
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Hugo91
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Anmeldungsdatum: 27.11.2016
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 11.02.2017, 09:17    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

Schön, dass dir meine Kommentare gefallen, mir gefallen deine Texte schließlich auch Winken
Ich hatte diesmal echt schiss bekommen als Care die Hände losgelassen hat und aus der Vision verschwand, ich dachte sie wäre mit dieser Aktion gestorben... Puh ein Glück, es sind noch vier Wochen... ich bin mal gespannt was in dieser Zeit noch alles passieren wird Smilie
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KayuB
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Anmeldungsdatum: 23.02.2016
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 12.02.2017, 15:19    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

@Hugo91: Hey ho. Danke nochmal für deinen Kommi:) Wenigstens einer haha. Und nein, so einfach und leicht stirbt sie nicht, das wäre ja zu einfach Sehr glücklich.

-9-
"Liebes Tagebuch,
es ist bisher eine ganze Woche vergangen und Caroline und ich sind einfach nicht weiter gekommen. Jeden Tag habe ich das Theater aufgesucht, doch Jack war nicht da. Ich habe dort sogar nach seiner Adresse gefragt und ob sie wüssten, wann er wieder da sein würde, doch vergeblich. Keiner konnte mir eine Antwort liefern. Er war spurlos verschwunden. Unsere einzige Hoffnung, einfach weg. Ich habe alles probiert. Mich auf meine Gefühle konzentriert, versucht meine Kräfte in mir hervorzurufen, aber es hat einfach nichts funktioniert. Keine Träume. Keine Visionen. Es war, als würde das Schicksal nicht wollen, dass ich ihn finde.
Caroline verzweifelte langsam immer mehr, aber auch sie wollte die Hoffnung nicht einfach so aufgeben. Doch in dieser Zeit konzentrierte sie sich immer mehr darauf mehr Zeit mir ihrer Familie zu verbringen. Ich bemerkte, wie sie immer anhänglicher wurde. Die letzten Tage ist sie nicht einmal mehr zur Schule gekommen. Sie sagte, dass sie ein bisschen Zeit für sich brauche, aber es ihr gut ginge und ich mir wirklich keine Sorgen machen brachte. Sie hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dessen sollte ich mir sicher sein.
Aber so wirklich sicher sein konnte ich mir nicht. Ich hatte Angst. Angst davor, es einfach nicht zu schaffen."

Die Schule war endlich vorbei. Wirklich konzentrieren konnte ich mich nicht, ich hatte schließlich nur einen Gedanken in meinem Kopf. Eigentlich hätte ich auch genauso gut zuhause bleiben können, aber was solls, das hätte schließlich auch nichts geändert.
Als ich das Schulgebäude verlassen wollte, traute ich jedoch meinen Augen nicht. Denn dort stand er einfach. Dieser große, sportlich gutaussehende Typ. Seine Augen leuchteten mich von weiter weg an. Selbstbewusst schaute er zu mir rüber. Es warJack und ich stand wie eingefroren auf der Stelle, nicht fähig mich zu bewegen. Was hatte er hier verloren? Die ganze Woche hatte ich verzweifelt nach ihm gesucht und jetzt tauchte er einfach hier auf? Ich konnte es nicht glauben, aber es machte mich irgendwie glücklich. Ja...ich war verdammt froh ihn zu sehen.
"Hey.", sagte ich mit leiser Stimme. "Du hier?"
Er nickte und schaute mich dabei dennoch ernst an.
"Ich hatte jetzt viel Zeit nachzudenken.", erklärte er mir. "Ich glaube nicht, dass ihr verrückt seid, obwohl das alles mehr als verrückt ist."
"Es tut mir wirklich leid, dass ich dich damit so überrumpelt habe. Ich war verzweifelt.". Ich holte kurz tief Luft. "Nein, ich bin verzweifelt."
"Es muss dir nicht leid tun. Ich hätte nicht einfach weglaufen sollen."
"Keiner kann dir das verübeln.", erklärte ich ihm und musste immer wieder nervös wegschauen, sobald er mich länger anschaute. Ich konnte seinem Blick einfach nicht standhalten. Jedes Mal, wenn ich ihm in die Augen sah, musste ich an diese Vision von uns denken. Ich musste an die Gefühle denken, die ich dabei verspürte. Es fühlte sich so gut an...so vertraut. Ich vermisste das Gefühl irgendwie, obwohl es nicht einmal real war. Dass er jetzt vor mir stand, gab mir ein gutes Gefühl, aber dennoch bemerkte ich eine gewisse Distanz zwischen uns.
"Du musst mir alles erklären. Ich will alles wissen. Ich muss verstehen, wieso gerade ich euch helfen soll."
Er wollte es wirklich. Er wollte mir wirklich helfen, obwohl er sich irgendwie davor fürchtete und er es absolut nicht verstand. Wir gingen in den Park, dort wo ich Caroline ebenfalls von meinen Kräften erzählt hatte und spazierten ein wenig.
Also fing ich ganz von vorne an. Ich erzählte ihm, wie es mit meinen Kräften anfing. Ich erklärte ihm, dass ich eigentlich gestorben wäre, wenn nicht plötzlich die Zeit stehen geblieben wäre und auch sagte ich ihm, dass ich meine Kräfte selbst noch nicht ganz verstand, sie aber immer mehr zu wachsen schienen. Er sollte alles wissen. Darüber, wie ich es Caroline erzählte und auch, wie ich meien Kräfte auf der Maskenballparty einsetzte. Letztendlich klärte ich ihn über meine Visionen auf. Dass ich ihren Tod gesehen hatte und dass wir nur noch 3 Wochen und 3 Tage Zeit hatten. Ich erzählte ihm einfach alles darüber. Darüber, wie ich mich dabei fühlte, darüber, wie entscheidend Gefühle sind und auch, dass ich immer noch selbst damit überfordert war. Er sollte verstehen, dass ich kein Experte war und dass es völlig normal war, sich vor so etwas zu fürchten, denn ja...ich tat es doch schließlich selbst noch, obwohl ich schon länger mit diesem Wissen lebte.
Letztendlich musste ich ihm erzählen, was er für eine entscheidende Rolle in dieser Geschichte spielte. Doch ich konnte ihm unmöglich die Wahrheit sagen. Ich wusste nicht wieso, aber ich konnte es einfach nicht. Ich ´war mir nicht sicher, ob ich es damit vielleicht zerstören oder das weitere Geschehen in eine andere Richtung lenken würde. Schließlich hatte er auch eine Freundin und warum auch immer wir uns in dieser Vision küssten, es wird wohl irgendeinen Grund gehabt haben, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es ein Kuss aus Verliebtheit war. Ich weiß schließlich nicht einmal, wann das überhaupt geschehen soll. Also nein, ich konnte ihm nicht die Wahrheit sagen, also tat ich es auch nicht.
"Ich hatte eine Vision, als du mich berührt hast auf der Maskenballparty.", erklärte ich ihm. "Ich habe dich und mich gesehen, wir haben uns unterhalten und als nächstes habe ich Carolines Tod gesehen. Es muss einen Zusammenhang geben, sonst hätte ich es so nicht gesehen."
Jack war sichtlich überfordert mit dem ganzen Informationsfluss, doch ich bemerkte, dass er sich bemühte. Er versuchte die Fassung zu bewahren und cool zu bleiben. Einfach nicht zu viel darüber nachzudenken..genauso wie Caroline und ich es auch taten.
"Das ist so verrückt.", sagte er. "Das sage ich auch ganz schön oft, oder?"
Wir beide lachten uns schließlich kurz an. Die ernste Atmosphäre lockerte sich allmählich auf.
"Ich darf echt nicht zu viel darüber nachdenken.", ergänzte er. "Aber weißt du was? Ich hatte ne ganze Woche zum Nachdenken, irgendwann reicht es. Ich habe wirklich Gänsehaut, wenn ich über deine Fähigkeiten nachdenke, aber ich will euch helfen."
Seine Worte stimmten mich einfach glücklich. Ich war so froh, dass er es letztendlich doch so locker aufnahm und uns wirklich helfen wollte. Er war wirklich ein toller Typ und ich hatte echt Angst mich in ihn zu verlieben. Denn das durfte ich nicht. Das würde alles nur so viel komplizierter machen.
"Also...was soll ich tun?", fragte er mich und lächelte mich an. Sein Lächeln war wirklich toll...Ach man, ich musste echt aufhören, über ihn zu schwärmen, aber genoss jeden Moment mit ihm. Menschen mit einer Ausstrahlung wie Caroline und er, waren wirklich selten und mit solchen Menschen genoss ich einfach wirklich jeden Augenblick.
"Wir müssen irgendwie Visionen provozieren. Bisher geschah dies immer durch Berührungen."
Er schaute mich noch etwas skeptisch an, schien dann aber schon fest entschlossen zu sein.
"Gut.", sagte er. "Dann gib mir mal deine Hand."
Ich hatte wirklich kaum Zeit zum Atmen und schon hatte er sich einfach meine Hand geschnappt. Er schien ziemlich direkt zu sein und wenig Berührungsängste zu haben, aber warum sollte er das auch?
"Okay.", sagte ich schließlich und musste versuchen nicht nervös zu wirken. Seine Hände waren so weich und es fühlte sich einfach so komisch gut an seine Hand zu halten. Und dann lächelte er auch noch ständig. Ich musste mich wirklich stark zusammenreißen, nicht verlegen zu wirken und dabei bemerkte ich schon, wie mein Herzschlag in die Höhe raste. Und je länger ich darüber nachdachte, desto bescheuerter kam ich mir auch dabei vor. Es war doch nur ein Mittel zum Zweck, aber mein Unterbewusstsein wollte einfach mehr hineininterpretieren.
"Also...", versuchte ich zu erklären und musste nochmal tief durchatmen. "Eigentlich hilft es jetzt die Augen zu schließen, aber wenn wir hier keine große Aufmerksamkeit erregen wollen, sollten wir das vielleicht woanders machen."
Wir waren mitten im Park. Zwei Jungs, die händchenhaltend mitten auf dem Weg stehen und die Augen dabei geschlossen hielten, würde glaub ich komicsh ankommen. Ich konnte mich jedenfalls nicht ausreichend konzentrieren, wenn ich mich ständig beobachtet fühlen würde.
"Oh, okay, verstehe." Er schien kurz zu überlegen und ließ schließlich meine Hand los. "Wir können auch zu dir? Ich will euch wirklich helfen und anscheinend haben wir ja auch nicht mehr so viel Zeit."
Ich nickte schließlich. "Ja, das wäre vielleicht besser. Hier kann ich mich ehrlich gesagt schlecht konzentrieren."
"Okay, kein Problem.", sagte er verständnisvoll und seine weiche, klare Stimme hallte in meinem Kopf weiter.
Oh je, jetzt brachte ich ihn auch noch zu mir nach Hause. Ganz ruhig, Chris. Mittel zum Zweck. Er war lediglich ein Mittel zum Zweck. Das sollte jetzt gar nicht böse klingen, aber ich versuchte mir einzureden, dass er keine Person war, die mich nervös machen sollte. Ich hasste nämlich das Gefühl, wenn ich meinen Körper nicht unter Kontrolle hatte.

So. Ein absolutes Übergangskapitel nur, aber habe heute leider nicth so viel Zeit zum Schreiben. Ich habe momentan auch zwei Ideen, in welche Richtung meine Geschichte weiter geht. Eigentlich hatte ich von Anfang an, mir schon ein ungefähres Ende ausgemalt, aber momentan bin ich mir total unsicher, wie es enden soll. Also bis es endet, dauert es sowieso noch ein wenig, aber muss nochmal in mich gehen:D Die andere Idee wäre nämlich etwas komplizierter und größer sag ich mal, sodass die Geschichte eigentlich noch viel länger werden würde, als ursprünglich gedacht...Die Frage ist nur, ob ich so viel Zeit habe, so viel zu scheiben ohne größere Pausen dazwischen, denn ich möchte die Geschichte auf jeden Fall beenden und nicht irgendwie offen lassen :p.
Zuletzt bearbeitet von KayuB am 25.02.2017, 18:41, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Hugo91
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Anmeldungsdatum: 27.11.2016
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BeitragVerfasst am: 13.02.2017, 09:12    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

Ach wie süß, jetzt wird er ganz verlegen, weil ein hübscher Mann mit zu ihm kommt. Smilie
...und dabei weiß er doch, dass nichts passieren wird...! Oder doch?! ;p
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KayuB
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Anmeldungsdatum: 23.02.2016
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 15.02.2017, 16:45    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

@Hugo91: Haha. Wer weiß?! Viel Spaß beim Lesen:D

-10-
"Vor wenigen Stunden wurde eine bisher nicht identifizierte Leiche im Fluss nahe der Westwick-Bridge aufgefunden. Es handelt sich hierbei um ein schätzungsweise 18 jähriges Mädchen. Langes blondes Haar, blaue Augen, um die 1,70 cm groß. Ein Selbstmord konnte bisher noch nicht ausgeschlossen werden. Sollten sie ein Mädchen vermissen, dessen Beschreibung mit unserer übereinstimmt, bitten wir sie die nächste Polizeistelle aufzusuchen. Unser tiefstes Beileid gilt nun den Angehörigen, die einen geliebten Menschen verloren haben."

3 Wochen und 3 Tage zuvor...

"Möchtest du was zu trinken?", fragte ich Jack und wollte damit einen höflichen Eindruck gewinnen. Meine Eltern waren zurzeit Gott sei Dank nicht zuhause, sodass wir uns auch einigermaßen laut unterhalten konnten.
"Nein, schon gut. Danke.", antwortete er genauso höflich.
Ich setzte mich schließlich auf mein Bett und er saß auf meinem kleinen Sessel, mir direkt gegenüber. Irgendwie war ich immer noch so schrecklich nervös, aber ich versuchte mein Pokerface aufzusetzen.
"Wann bist du eigentlich fertig mit deinem Abitur?", fragte er mich plötzlich. Er schien vom wesentlichen Thema abzuweichen und fragte mich nun ganz alltägliche Dinge. Aber gut, vielleicht war das gar nicht mal so verkehrt, immerhin kannten wir uns schließlich überhaupt nicht. Eine gewisse Basis wäre da wohl nicht verkehrt.
"Dieses Jahr noch, eigentlich müsste ich schon bald anfangen zu lernen. Aber naja.."
Ich war eben der Typ, der alles auf den letzten Drücker machte und schließlich hatte ich jetzt auch wichtigeres zu tun.
"Und du? Was machst du? Und wie alt bist du eigentlich?", fragte ich ihn schließlich und bemerkte, dass wir uns wirklich kein Stück kannten. Es war jetzt schon wie eine Art Fragerunde und irgendwie kam ich mir auch blöd dabei vor.
Er musste schließlich grinsen und sein schönes Lächeln verzauberte mich mal wieder. Und mal wieder ertappte ich mich dabei, wie lächerlich ich von ihm schwärmte. Eigentlich war er ein Typ wie jeder andere. Mein Gott, er sah gut aus und ja, er war auch super nett, aber das wars auch schon...oder vielleicht auch nicht? Ich log mich selbst an, denn dieser atemberaubende Typ der vor mir saß, hatte eine besondere Ausstrahlung, wie Caroline sie auch hat und komischerweise zog mich diese magisch an. Ich hatte einfach ein gutes Gefühl bei ihm, ohne wirklich eine Erklärung dafür zu haben.
"Ich bin 22 und studiere Schauspiel, deswegen bin ich auch öfter im Theater tätig.", antwortete er. "Und wie alt bist du?"
Schauspiel, also. Interessant. Er musste wieder grinsen und schaute mir mal wieder so tief in die Augen. Das konnte er wirklich gut. Mir tief in die Augen schauen ohne dabei weggucken zu müssen. Mir fiel es schwer seinem Blick standzuhalten ohne dabei wegzuschauen, aber ich bemühte mich.
"Schon witzig. Wir sitzen in deinem Zimmer und lernen uns jetzt erst kennen.", ergänzte er.
"Oh ja...verrückt, nicht? Aber ich glaube, da gibt es noch ganz andere Dinge, die noch verrückter sind.", antwortete ich und wir beide mussten anfangen zu lachen. Es war schön, dass wir über die jetzige Situation noch lachen konnten. Es war schön, für einen kurzen Moment einfach alle Sorgen zu vergessen und mit einem Menschen zu reden, der selbst völlig überfordert ist, aber sein bestes gibt, damit klar zu kommen. Und ja...er schien jetzt wirklich locker und offen zu sein. Nicht so verschlossen wie im Theater, als er davon gelaufen war. Er schien wirklich eine Menge darüber nachgedacht zu haben.
"Ach ja, ich bin 18.", antwortete ich.
"Süß.", sagte er und grinste mich immer noch an.
Was zum Teufel? Hatte er gerade süß gesagt? Oh Gott, ich musste mich konzentrieren jetzt nicht rot zu werden. Aber sowas hatte nichts zu bedeuten. Er fand das Alter einfach süß, sowas ist unabhängig vom Geschlecht. Und diese Information half mir sofort wieder mich zu beruhigen und einen klaren Kopf zu bewahren.
"Ach, 22 ist doch auch noch süß.", antwortete ich und bereute es in der gleichen Sekunde noch das gesagt zu haben. Das habe ich nicht wirklich gesagt, oder? Von wegen klaren Kopf bewahren. Ich war so furchtbar peinlich. Warum musste ich immer so peinliche Aussagen tätigen, wenn ich nervös war?
Er lachte jetzt lediglich. Das war auch alles was er tat. Mich angrinsen und lachen. Naja, das war aber auch nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen.
"Also...", sagte ich schnell um vom Thema abzulenken. "Kommen wir zum Hauptteil."
Wieder etwas ungeschickt ausgedrückt. Ich meinte eigentlich damit, dass wir jetzt zu meinen Kräften kommen sollten, denn schließlich waren wir dafür hier.
"Alles klar. Also müssen wir wieder Händchen halten, ja?", fragte er mich und zwinkerte mir spaßeshalber zu. Denn im gleichen Moment fing er an zu lachen und es steckte mich sofort an. Aber ich lachte jetzt einfach nur mit, nicht weil ich es lustig fand, sondern weil es komisch wäre nicht zu lachen. Das Zwinkern war zwar lustig, aber ich fände es schöner, wenn er es auch wirklich erst meinen würde.
"Deine Freundin muss hierauf nicht eifersüchtig werden, ja?", sagte ich und wollte irgendwie auch witzig sein. Gleichzeitig wollte ich aber auch seine Reaktion testen. Aber er schien cool zu bleiben, kein Stück nervös oder so.
"Nein. Sie weiß ja schließlich, dass ich hetero bin.", sagte er schließlich und grinste wieder. "Also nicht, dass ich was gegen homosexuelle Menschen habe, versteh mich nicht falsch."
Autsch. Das tat weh. Diesen Satz verinnerlichte ich schließlich tief in mir. Dass er diesen Satz jetzt direkt vor mir aussprach tat wirklich irgendwie weh. Denn meine Vision erschien mir wieder vor meinem geistigen Auge. Wie wir romantischen unter diesem Baum saßen, klarer Sternenhimmel und dabei küssten wir uns schließlich und es fühlte sich toll an. Wie kann all das passieren, wenn er solche Aussagen tätigte? Ich fühlte mich verarscht...aber gleichzeitig dachte ich mir auch, dass der Kuss ja vielleicht nicht aus Liebe enstanden ist. Vielleicht hatte es andere Gründe. Vielleicht eine Wette? Keine Ahnung...aber warum dann diese Gefühle, die ich bei der Vision verspürte? Es machte mich schon traurig, dass er es jetzt so offen gesagt hat. Andererseits log er mich vielleicht auch an. Wer weiß das schon. Aber durch diese Aussage gewann ich mehr an Lockerheit. Die Anspannung zwischen uns verlor sich in meinen Augen. Denn mir wurde klar, dass er niemand war, der mich jemals lieben würde. Ja, so war es immer mit der Liebe bei mir. Mir wurde einfach klar, dass ich wohlmöglich niemals lieben würde.
"Schon verstanden.", sagte ich lediglich. Ich hätte mich jetzt theoretisch bei ihm outen können, doch ich tat es nicht. Ich grinste oder lachte jetzt auch nicht. Mir war einfach nicht danach.
"Also. Wollen wir?", fragte ich festentschlossen und warf meine Nervosität über Board. Er war nur ein Mittel zum Zweck. So und nicht anders sollte ich das ganze hier sehen. So musste ich es sehen. Denn ich hatte wirklich Angst, dass ich mich hier noch unglücklich verlieben könnte.
"Ja, wir wollen.", antwortete er und setzte sich gespannt neben mich hin. Wieder mal schaute er mir so tief in die Augen. Er schien es jetzt auch etwas komisch zu finden, aber er ließ sich darauf ein.
"Dann gib mir mal deine Hände.", sagte ich und bemerkte, wie ich wirklich immer lockerer wurde. Diese Information von ihm, dass er hetero war, hatte mir wirklich geholfen...aber mich auch gleichzeitig irgendwie wütend und traurig gemacht.
Ohne zu zögern nahm er meine Hände und ich bemerkte, wie sein Mund sich wieder zu einem Lächeln formte.
"Dann bin ich ja mal gespannt.", sagte er.
"Ich brauche jetzt absolute Ruhe.", sagte ich ernst und schloss meine Augen. Oh man, war ich jetzt vielleicht zu abweisend? Ich glaube nicht.
"Soll ich sie auch schließen?", fragte er mich verunsichert.
Ich öffnete meine Augen und sah in sein fragendes Gesicht. Sein schönes, markantes, fragendes Gesicht. Da war es wieder. Meine Schwärmerei. Aber ich blieb dennoch cool. "Wie du willst.", antwortete ich und schloss wieder meine Augen.
Ich wusste jetzt nicht, was er tat, aber ich spürte seine weichen Hände. Und ich spürte, dass er seine Hände nicht still hielt. Er machte winzig kleine Bewegunegn, als würde er meine Hand streicheln. So fühlte es sich an. Ich bekam sofort Gänsehaut und hoffte, dass er das nicht bemerkte. Es tat irgendwie gut seine Hände zu halten. Gleichzeitig musste ich aber daran denken, dass es nichts bedeutete. Er half mir nur dabei eine Vision zu provozieren, die mir helfen sollte, Caroline das Leben zu retten. Ich versuchte mich jetzt auch wirklich daruaf zu konzentrieren, aber gleichzeitig war ich so traurig. So traurig darüber, dass mir noch keine Liebe widerfahren ist. Traurig, weil ich seine weichen Hände spürte, seinen warmen Körper, aber es nichts bedeutete. Aber auch war ich wütend. Wütend, dass er so nett zu mir war, obwohl er angeblich nicht auf Jungs steht. Wütend auf mich, dass ich mich von ihm verzaubern lasse und auch wütend darauf, dass ich mich doch nicht einfach direkt bei ihm geoutet habe. Ich meine, was hätte ich denn zu verlieren gehabt? Aber gut...so war das heutzutage in unserer Gesellschaft nunmal. Wir leben in einer Lüge und je länger wir damit leben, desto belastender wird es für einen. Und ich bemerkte, dass ich meine Belastungsgrenze allmählich erreicht hatte. Mal wieder herrschte ein Gefühlswirrwar in mir, ein verdammtes Gefühlschaos. Mal wieder konnte ich meine Gedanken nicht vernünfitg ordnen und dabei war das gerade so wichtig.
"Irgendwie spüre ich auch etwas. Wow..", sagte er plötzlich völlig beeindruckt.
Immernoch hielt ich meine Augen geschlossen und spürte allmählich einen Kopfschmerz, der von Sekunde zu Sekunde immer stärker wurde.
Ich kannte diesen Kopfschmerz und bekam sofort Angst. Es war wie auf der Maskenballparty...Oh nein. Ich hatte schlechte Gedanken und fühlte mich schlecht und dieser Zutand wirkte sich auf meine Kräfte aus. Ich überlegte das Ganze sofort zu beenden, doch da war wieder dieses unsichtbare Band, welches sich um unsere Hände legte, nur viel stärker...und irgendwie auch schmerzhaft. Ich spürte einen innerlichen Druck in mir, der sich von Sekunde zu Sekunde verstärkte. Ich hatte nicht das Gefühl, als könnte ich seine Hände loslassen.
"Alles in Ordnung bei dir?", fragte er mich und der Satze hallte in meinem Kopf weiter. Ich hatte wahrscheinlich schon ein schmerzverzerrtes Gesicht.
"Ich weiß nicht.", flüsterte ich angestrengt.
Chris...denk an was schönes. An die Freundschaft mit Caroline. So etwas einzigartiges hat nicht jeder Mensch. Ich versuchte mich wirklich darauf zu konzentrieren. Doch Jacks Streichelbewegungen rissen mich immer wieder aus diesen Gedanken heraus. Er holte mich zurück auf den Boden der Tatsachen und diese Tatsachen waren nunmal scheiße.
"Irgendetwas stimmt nicht.", sagte Jack jetzt auch angestrengt. "Mein Kopf tut weh.", sagte er schließlich.
Oh nein. Es schien sich auf ihn zu übertragen. Es funktionierte alles nicht, ging in eine völlig falsche Richtung.
"Wir müssen uns loslassen.", sagte ich und bemerkte im gleichen Atemzug, dass es nicht möglich war. Unsere Hände waren wie ineinander gekettet. Ich konnte mich niht davon lösen. Ich öffnete schließlich meine Augen und schaute ihn panisch an.
"Es geht nicht.", sagte er genauso panisch.
Die Unruhe in mir stieg immer weiter an. Der Schmerz wurde intensiver, eine beunruhigende Kälte durchströmte meinen gesamten Körper und ich fühlte mich so verdammt elendig. Meine Wahrnehmung wurde immer verzerrter. Ich konnte Jack gar nicht mehr in die Augen schauen.
"Oh Gott...", flüsterte Jack und ich versuchte mich zusammenzureißen und ihn anzusehen. Er schien vor etwas Angst zu haben...und nur wenige Augenblicke später, bemerkte ich, dass die Gegenstände in meinem Zimmer wieder in der Luft flogen. Doch dieses mal war es nicht so harmonisch wie mit Caroline.
Sie wirbelten in meinem gesamten Zimmer herum. Dieses mal hatten sie keine Umlaufbahn, sie schienen unnwillkürlich von einem Punkt zum anderen in meinem Zimmer zu fliegen, in einer Geschwindigkeit, die nur noch Angst machte und gefährlich war.
Meine Umgebung verschwamm immer mehr. Ich hatte keine Kraft mehr diese Kräfte in mir zu halten. Sie verbreiteten sich in meinem Zimmer und sorgten für Chaos.
"Chris! Chris. Wach auf!!"
Ich hatte meine Augen geschlossen, da ich keine Kraft mehr hatte, aber ich hörte seine Stimme noch. Sie hallte in meinem Kopf weiter. Er zerrte an meinen Händen und versuchte sich von mir zu lösen. Doch immernoch spürte ich seine weichen Hände, wie sie festineinander klebten. Es tat jetzt nur noch weh und ich hatte Angst, was als nächstes passieren würde.
Doch so viel Zeit hatte ich nicht mehr nachzudenken. Mit einem Male, spürte ich einen harten Gegenstand, er traf meinen Kopf. Ich spürte einen dumpfen Schmerz und hörte ein fürchterliches Piepen in meinem Ohr. Sofort bemerkte ich, dass Jack meine Hände endlich nicht mehr festhielt....doch auch bemerkte ich, dass ich langsam das Bewusstsein verlor...

(Falls die Story noch mehr lesen als nur Hugo, würde ich mich echt über Kommentare freuen oder auch über private Nachrichten:p)
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Hugo91
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Anmeldungsdatum: 27.11.2016
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 16.02.2017, 18:00    Titel: Re: Unique Boy Antworten mit Zitat

KayuB hat folgendes geschrieben:

...
"Nein. Sie weiß ja schließlich, dass ich hetero bin.", sagte er schließlich und grinste wieder. "Also nicht, dass ich was gegen homosexuelle Menschen habe, versteh mich nicht falsch."
...
"Schon verstanden.", sagte ich lediglich. Ich hätte mich jetzt theoretisch bei ihm outen können, doch ich tat es nicht. Ich grinste oder lachte jetzt auch nicht. Mir war einfach nicht danach.
"Also. Wollen wir?", fragte ich festentschlossen und warf meine Nervosität über Board.
...


Also, du hattest dazwischen noch geschrieben, er hätte sich jetzt outen können... also wenn ich der gegenüber wäre, würde ich hier sofort merken, dass ich da jemanden auf den Schlips getreten bin und damit wäre ein Outing hier bereits passiert. Und außerdem liest es sich schon ein wenig so, als würde Jack hier was wissen... ja wie auch immer, ich bin gespannt wie es weitergeht!

An alle anderen Leser :
Ich habe die über 2000 Klicks zu diesem Beitrag sicher nicht gemacht, haut doch auch mal etwas in die Tastatur, es würde auch mich interessieren was andere hier zu sagen haben.
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KayuB
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Anmeldungsdatum: 23.02.2016
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 23.02.2017, 22:11    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

@Hugo91: Danke nochmal für deine lieben Kommentare:). Also das mit dem Outing...ja. Vielleicht hast du Recht. Vielleicht ahnt es Jack auch schon :p.

-11-
Da war nichts außer Dunkelheit. Alles um mich herum war still und so fürchterlich dunkel und kalt. Ich wusste nicht, wo ich war und irgendwie war mir das auch ziemlich egal.
Vor mir erstreckte sich ein dunkler, steiniger Weg. Das Ende war nicht zu sehen, keine Lichter um mich herum. Einfach nur dieser Weg, der mich sonst wo hin führen sollte. Ich wusste es nicht, doch ich ging ihn einfach. Ich hatte keine Angst dabei, wieso auch immer. Ich lebte das Hier und Jetzt ohne darüber nachzudenken. Nachdenken war so kompliziert. Nein, ich wollte es dieses Mal einfach leben. Also ließ ich alles über mich ergehen.
Vor mir erstreckte sich mit einem Male ein fliegender Haufen, der wie es aussah, aus Metall bestand. Schnell löste sich der Haufen voneinander und es schien so als würde jedes Metallteil eine gezielte Richtung einschlagen. Als wüssten sie, wohin sie müssten. Nur schnell wurde deutlich, was hier gerade geschah. Denn von mir entstand eine riesige Brücke. Der Weg mündete direkt dorthin. Es sah faszinierend aus. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Irgendwie beeindruckend. Wie alles auf einmal Form bekam. Aus dieser kalten und tristen dunklen Welt, formte sich allmählich Leben und komischerweise bekam ich ein ungutes Gefühl dabei. Irgendwie fürchtete ich mich jetzt doch.
Ich ging schließlich weiter und spürte plötzlich kalte Wassertropfen auf meiner Haut. Ich schaute in den Himmel und erkannte, dass es regnete. Aber es war kein normaler Regen. Normaler Regen wäre nicht so heftig. Nein...das was hier gerade passierte war was ganz anderes. Unmengen an Wasser fiel aus dem Himmel. Es sah so aus, als würde jemand eine Badewanne mit Wasser einlassen...Der Himmel war der Wasserhahn und diese Welt hier war die Badewanne.
Je näher ich der Brücke kam, desto schneller erkannte ich, dass das Wasser nicht die ganze Welt ausfüllte, sondern nur einen Teil unter der Brücke. Allmählich erkannte ich auch, dass ich an einem Fluss angelangt war. Ich stand auf der Brücke und der Fluss unter mir.
Was zum Teufel war das alles hier? Wie bin ich hier her gekommen und warum bin ich überhaupt hier? Was ist überhaupt passiert? Ich musste träumen, aber ich wusste nicht mehr wieso.
Blitzartig veränderte sich meine Umgebung wieder. Die Kälte um mich herum verschwand sofort. Die Brücke auf der ich stand, löste sich auf und ich stand mitten im Nichts.
Wärme umhüllte jetzt meinen Körper. Die Finsternis verschwand und mit ihr das ängstliche Gefühl in mir. Denn allmählich fühlte ich mich besser. Schon fast glücklich.
Die Welt um mich herum bekam jetzt auch Struktur. Unter mir formte sich ein Laminatboden. Aus dem Boden um mich herum schossen Wände von unten hervor. Zuerst dunkle schwarze Wände, danach färbten sie sich jedoch weiß.
Links neben mir sah ich einen fliegenden Haufen aus Stoffteilen. Die Stoffteile blieben zunächst als Haufen zusammen und bewegten sich nur minimal. Doch dann schien alles auseinanderzureißen. Jedes einzelne Teil fügte sich zu einem Ganzen. Ein graues Sofa entstand.
Immer noch verstand ich nicht, was um mich herum eigentlich geschah. Ich wusste nur, dass es unglaublich aussah. Es war wirklich beeindurckend und bereitete mir Gänsehaut am ganzen Körper.
Vor mir baute sich schließlich ein Piano auf. Nur wenige Sekunden später sah ich, wie die Tasten des Pianos betätigt wurden. Es ertönte Musik in meinen Ohren. Wunderschöne Musik. Da hatte jemand wirklich Talent. Es war eine langsame, einfühlsame Melodie, die immer schneller und dramatischer wurde. Es passte irgendwie zu meiner Gesamtsituation. Es passte zu der Welt, in der ich gerade war. Denn alles um mich herum schien sich selbst zu erschaffen. Immer mehr Puzzleteile fügten sich zu einem ganzen zusammen. Es enstanden Türen und Gemälde an den Wändern. Pflanzen und Lampen bauten sich um mich herum auf. Ich erkannte weitere kleine Details wie DVDs, Stifte und Fotos, aber ich ignorierte sie jetzt. Denn der Schlussakt schien sich nun einzuläuten. Die Musik erreichte ihre absoluten Höhepunkt und vor mir formten sich zwei Gestalten. Ich war mir sicher, dass es Menschen waren. Eine davon saß am Klavier und spielte die Musik. Die schwarze Gestalt bekam allmählich Form und Farbe. Es war eine Frau mit haselnussbraunen, langen Haaren. Ich sah sie nur von hinten, da sie gerade am Klavier spielen war.
Die andere Gestalt war ein Mann, da war ich mir sicher. Er stand neben der Frau und hörte ihr zu, wie sie diese wundervolle Musik spielte. Es war einzigartig und atemberaubend. Wieso? Keine Ahnung. Es war einfach so.
Die männliche Gestalt bekam schließlich auch Farbe und Haare. Kurze, blonde, nach hinten gestylte Haare. Er war groß und auch etwas sportlicher gebaut. Er hatte ein dunkelblaues Hemd und eine schwarze eng anliegende Hose an...Sofort bekam ich Gänsehaut. Denn vor mir stand nicht einfach nur irgendein Kerl. Es war Jack. Jack und irgendein Mädchen. Ich verstand es immer noch nicht. Wieso war ich hier? Wo war ich vorher und was ist passiert?
Ich hatte Angst, dass sie mich sehen konnten. War ich unsichtbar in dieser Welt? Einfach nur als Beobachter? Vorsichtig ginge ich kleine Schritte auf die Beiden zu. So weit, dass ich das Gesicht der Person erkennen konnte. Mit einem Male wurde die Welt um mich herum plötzlich starr. Nichts mehr formte sich, alles war an seinem Platz. Die Musik hörte auf zu spielen. Es war, als wäre ich jetzt erst angekommen. Es fühlte sich schon fast real an jetzt. Es war nicht mehr nur irgendeine Welt...Ich war in dem Haus von Jack und es schien verdammt real zu sein. Nur sie konnten mich nicht sehen...Jack und Allison. Es war seine Schwester. Ich erkannte sie wieder. Nur jetzt war sie so viel lebendiger. Ich hatte damals gesehen, wie sie im Sterben lag und Jack in ihren letzten Stunden ihr beistand. Jetzt war ich also anscheinend wieder in einer Vergangenheitsvision oder so gefangen? Warum auch immer...aber es war irgendwie schön. Schön Jack so glücklich zu sehen. Zu sehen, dass seine Schwester, die er über alles liebte, noch am Leben war.
"Es war unglaublich.", sagte Jack und schaute Allison stolz in die Augen. Sie lächelte, aber wischte sich gleichzeitig eine Träne aus den Augen.
"Danke.", flüsterte sie. "Ich möchte all das hier wirklich genießen und zwar in vollen Zügen. Ich versuche es wirklich."
Sie schien anscheinend schon zu wissen, dass sie sterben wird. Es machte mich so traurig. Jack liebte sie über alles, das konnte ich in seinen Augen sehen. Er wusste, dass er sie verlieren würde. Das Gefühl kannte ich nur zu gut. Denn das gleiche Gefühl musste ich auch bei Caroline haben. Ich wusste, dass sie sterben wird, aber ich hatte wenigstens Hoffnung es auch aufhalten zu können. Das war mein Anker...Einen, den Jack leider nicht hatte.
"Ich wünschte es gäbe eine andere Möglichkeit.", sagte Jack und wischte sich jetzt auch eine Träne aus den Augen.
"Es gibt keine. Du weißt, dass ich sterben muss.", sagte sie traurig und umarmte ihren Bruder. Eine andere Möglichkeit? Ja. Das wäre schön. Wenn das Schicksal es nicht auf einen abgesehen hätte. Aber manchmal hat man einfach keine Möglichkeiten mehr...
Ich konnte ehrlich gesagt auch gar nicht richtig hinsehen. Es machte mich so traurig, denn im Hinterkopf hatte ich stets Caroline. Ich fürchtete um ihr Leben. Ich hatte Angst, dass ich es nicht schaffen würde. Das alles, wie sonst auch immer, in einem Chaos enden würde. Das all das Schlechte auf der Welt mich treffen würde. Ich hatte Ängste und es fiel mir gerade sehr schwer diese zu überwinden. Denn vor mir waren zwei Menschen, die sich genauso liebten, die aber den Kampf verloren hatten. Sie hatte vermutlich auch gekämpft und es nicht geschafft. Aber ich würde es schaffen. Ja...ich konnte und wollte die Hoffnung nicht aufgeben.
"Ich weiß nicht, ob ich das akzeptieren kann.", sagte Jack und schaute sie ernst an. Aber was blieb ihm denn anderes übrig? Es war leider hoffnungslos...
"Es wird alles gut werden....das Gleichgewicht der Natur muss eben erhalten bleiben, verstehst du.", sagte sie ihm genauso ernst.
Das Gleichgewicht der Natur? Vielleicht hatte sie Recht. Vielleicht gab es sowas wie ein Gleichgewicht, dass dafür sorgte, dass das Leben und der Tod stets im Gleichgewicht bleiben. Vielleicht war das eine gute Vorstellung, um all das zu akzeptieren? Ich weiß nicht, ob es für mich die richtige Vorstellung wäre, aber für Jack schien es zu funktionieren. Denn er nickte und umarmte sie wieder. Es war wirklich ein Trauerspiel und ich wollte mir das alles nicht mehr länger mit ansehen. Doch im gleichen Augenblick bemerkte ich, dass ich das auch nicht mehr musste. Mit einem Male verschwand die gesamte Farbe aus dem Raum und alles war schwarz. Jack und Allison, einfach nur noch schwarze Gestalten. Die Wände, einfach nur noch schwarz, genauso wie der Boden und sonst alles um mich herum. In der nächsten Sekunden löste sich alles auf. Es schien alles in Staub zu zerfallen, doch anstatt dass es auf den Boden fiel, flogen die einzelnen Staubpartikel ganz fein und langsam in die Luft. Sie flogen nach oben und schließlich schwebten sie um mich herum. Die einzelnen Partikel wurden immer schneller und irgendwann bewegten sie sich von mir weg. Alles um mich herum schien in Bewegung zu sein. Der Boden unter mir wurde plötzlich immer weicher. So weich, dass ich knietief darin versank. Jetzt kehrten wieder die Farben zurück. Doch es blieb dieses Mal wieder dunkel. Wieder war da diese Kälte, diese düstere Atmosphäre, dieses ungute Gefühl.
Der Boden unter mir verwandelte sich in Wasser und ich stand somit knietief darin. Mein erster Blick ging nach rechts und von weiter weg sah ich die riesige Brücke, auf der ich vor kurzem noch stand. Ich sah sie nur noch ziemlich klein, da ich so weit weg war.
Immer noch verstand ich nicht, was das Ganze hier sollte. Warum sah ich das alles? Und wo war ich denn bloß vorher? Ich konnte mich einfach nicht daran erinnern. Das Gefühl beunruhigte mich. Dieses Gefühl, nicht zu wissen, wo man eigentlich war und was man vorher getan hat. Ich schien in dieser Welt gefangen zu sein und der Gedanke gefiel mir überhaupt nicht.
Das ungute Gefühl schien sich immer weiter zu verstärken. Manche nennen so etwas Vorahnung. Denn ja, so fühlte es sich gerade an. Wie eine Art Vorahnung. Ich hatte ein ganz schlechtes Gefühl. Ich wusste, dass gleich irgendetwas passieren würde, was mir nicht gefallen würde. Etwas, das mir Angst machen würde. Etwas, das mich zutiefst erschüttern würde. Und ja..die Angst, sie war bereits da.
Alles um mich herum war so ruhig, so still...so verdammt dunkel und düster. Ich stand am Rand des Flusses. Keine Lichter um mich herum. Nur Wald...ich hörte nicht einmal mehr Tiere, da war einfach nichts, außer Stille.
Doch die Stille wurde plötzlich durchbrochen. Es war wie ein Plätschern. Als würde irgendetwas Schweres im Wasser treiben. Ein kalter Schauer lief mir den Rücken runter. Ich schreckte sofort auf, denn irgendetwas hatte mein Bein berührt. Ich schrie intuitiv und sprang zur Seite. Doch was ich dann sah, zerstörte mich. Ich schaute nach unten, in das Wasser, dort, wo mich etwas berührt hatte. Es war ein menschlicher Körper. Intutiv zog ich diesern sofort nach oben, oberhalb der Wasseroberfläche, damit dieser Mensch Luft bekommen könnte. Doch ich bemerkte, dass es schon viel zu spät war. Ich hob den Körper nach oben und bekam den allergrößten Schock meines Leben. So etwas Schreckliches hatte ich in meinem Leben noch niemals gesehen. Nein. Es erschütterte mich zutiefst. Ich spürte wieder dieses Loch in meinem Herzen, es wuchs und schmerzte. Alles in mir schmerzte nur noch. Denn es war Caroline. Es war Carolines toter Körper. Sie war fürchterlich kalt und blass. Ich ließ sie sofort los und fing an zu schreien. Ich schrie um mein Leben. Ich schrie um ihr Leben. Ich schloss meine Augen und schrie immer weiter. Ich wollte dieses Bild aus meinem Kopf loswerden. Doch als ich die Augen schloss, sah ich sie immer noch vor mir. Dieses Bild würde mich verfolgen...für immer...und das tat einfach nur noch weh.
"Alles ist gut. Beruhigen sie sich! Alles ist gut! Bitte beruhigen sie sich."; hallte plötzlich eine Stimme in meinem Kopf. Ich hatte die Augen immer noch geschlossen und schrie. Ich spürte, dass etwas meinen Körper berührte und mich festzuhalten schien.
Sofort öffnete ich die Augen und sah ein unbekanntes Gesicht vor mir. Ich verstummte sofort. Endlich ein anderes Gesicht. Nicht mehr das von Caroline. Endlich konnte ich wieder etwas anderes sehen. Und allmählich musste ich wieder zu mir kommen, das wurde mir jetzt klar.
"Ist alles in Ordnung bei ihnen?", fragte sie mich. Ich hörte ein Piepen in meinem Ohr in einem regelmäßigen Rhythmus. Mein Blick wanderte zu dieser Geräuschquelle. Es war ein Monitor. Es war meine Herzfrequenz. Ich war im Krankenhaus und vor mir war eine Krankenschwester. Was zum Teufel ist passiert? Tausende Gedanken schossen mir durch den Kopf, es war zu viel aufeinmal. Mir fiel es schwer die Realität von dieser Traumwelt zu unterscheiden.
"Was ist passiert?", fragte ich aufgebracht und irgendwie noch völlig benebelt. Beim Sprechen bemerkte ich, dass meine Stimme noch ziemlich schwach und leise war. Allgemein war mein ganzer körperlicher Zustand ziemlich schwach.
"Der Arzt wird gleich kommen und es ihnen erklären, aber es ist jetzt alles in Ordnung.", versicherte sie mir.
Intuitiv schaute ich auf die Wand vor mir. Dort hing ein Kalender. Ich hatte ein ungutes Gefühl. Beim Anblick des Datums bekam ich mal wieder einen Schreck. Das konnte unmöglich sein. Das durfte einfach nicht wahr sein. Ich wollte es nicht wahrhaben.
Ich erinnerte mich nun wieder. Ich war mit Jack in meinem Zimmer und wollte Visionen provozieren, um Caroline das Leben zu retten. Doch alles lief schief. Ich verlor das Bewusstsein. Und wo war ich nun? Es war eine ganze Woche vergangen. War ich eine ganze Woche etwa nicht bei Bewusstsein? Hatte ich somit eine ganze Woche verloren? Blieben mir somit nur noch zwei Wochen, um Caroline das Leben zu retten? Ich fühlte mich elendig. Und wieder war da dieses Bild von Carolines Leiche im Wasser. Es erschien einfach wieder in meinem Kopf. Vermutlich um mich daran zu erinnern, dass ich kaum noch Zeit hatte. Und war ich jetzt schlauer? Vielleicht ein wenig. Würde sie etwa etrinken? Fragen über Fragen. Ich war jetzt wirklich überfordert. Ich hatte mich eigentlich auf meine Kräfte verlassen, aber dieses Ereigniss zeigte mir einfach nur, dass meine Kräfte verdammt unberechenbar waren. Ich hatte Angst. Angst zu versagen und dieses Bild von ihrer Leiche für immer in meinem Kopf zu behalten...
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KayuB
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BeitragVerfasst am: 24.02.2017, 15:51    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

-12-
"Liebes Tagebuch,
erstmal tut es mir leid, dass ich diesen Eintrag auf einen normalen Zettel schreibe und dann letztendlich einkleben werde, aber niemand hat daran gedacht, mein Tagebuch mitzunehmen. Aber das kann ich auch niemanden verübeln.
Es ist nichts mehr wie es einmal war und ich habe das Gefühl, dass es auch niemals mehr so sein wird. Alles hat sich verändert. Mein ganzes Leben. Auch das Leben meiner besten Freundin. Manchmal gehört es im Leben einfach dazu, Veränderungen zu akzeptieren. Es gehört dazuz, dass man daran wächst, um letztendlich stärker und erfahrener zu werden. Ist das alles hier eine Lektion für mein weiteres Leben? Damit ich vorbereitet auf das bin, was noch folgen wird? Gut möglich...Wer weiß das schon.
Der Arzt hat mir mitgeteilt, dass ich eine ganze Woche lang im Koma lag. Er erzählte mir, dass es ziemlich seltsam war und er es in der Form so auch noch selbst nicht erlebt hatte. Mein körperlicher Zustand war nämlich in Ordnung, es sprach nichts dagegen, dass ich aufwachen würde. Doch ich tat es nicht. Ich wachte einfach nicht auf, obwohl eigentlich alles in Ordnung war.
Ich war in dieser Welt gefangen. Die Welt, die mir gleichzeitig die Vergangenheit und auch die Zukunft zeigte? So fühlte es sich nämlich an. Schon seltsam, wie verzerrt meine Wahrnehmung in dieser Welt doch war. Ich hatte das Gefühl nur wenige Stunden weg zu sein, doch in Wirklichkeit war es eine ganze Woche. Zeit ist eben relativ...Zeit ist unglaublich."

Ein Geräusch riss mich aus meinen Gedanken und ich packte meinen Zettel sofort zur Seite. Die Tür hatte sich geöffnet und ich traute meinen Augen nicht, wer da gerade mit Caroline durch die Tür spazierte. Es war ihr Freund. Es war Marvin. Ich hasste diesen Typen einfach und verstand nicht, weshalb Caroline ihn mitbrachte.
Sie grinste mich von weitem aus an, doch mein Blick blieb einfach nur ernst und Marvin schaute ich erst gar nicht an.
Ohne zu zögern, schloss ich meine Augen und ließ binnen weniger Sekunden die Zeit anhalten. Es klappte sofort, ich wurde immer besser darin. Aber auch vermutlich, weil momentan einfach so vieles in mir vorging. Die nötigen Gefühle dafür waren definitiv vorhanden.
Ich schubste Caroline aus ihrer Zeitstarre heraus und beobachtete, wie sie ihre Umgebung verwirrt ansah. Sie brauchte erstmal paar Sekunden, um zu realisieren, dass ich die Zeit angehalten hatte.
"Hey.", sagte sie zunächst besorgt. "Warum hast du die Zeit angehalten?", fragte sie schließlich verwirrt und schaute dabei ihren nervigen Arschlochfreund an.
"Das fragst du mich noch?", fragte ich schon fast entsetzt. "Ich bin wirklich froh dich zu sehen, Care...Aber er? Was hat er hier zu suchen? Ich verstehe es nicht.", erklärte ich ihr aufgebracht.
Caroline schaute mich ernst an und es schien so, als würde sie gerade noch einmal in sich gehen.
"Er hat sich bei mir für alles entschuldigt.", erklärte sie mir immer noch ernst. "Es ist gerade etwas schwierig für mich, wie du weißt."
"Oh man...", sagte ich einfach nur. Ja, ich wusste, dass es schwieirg für sie war. Aber so wirklich nachvollziehen konnte ich es nicht.
"Ich will einfach noch eine schöne Zeit haben. Wer weiß, wie lange ich soetwas noch haben kann."
"Okay.", sagte ich nur. "Aber der Augenblick ist nicht passend. Wir müssen nämlich reden. Unter vier Augen.", sagte ich ihr und versuchte ihr zu vermitteln, dass es wirklich wichtig war. Ich musste ihr erzählen, was ich gesehen hatte. Es ging einfach nicht anders.
"Tut mir leid, er war gerade bei mir, sonst hätte ich ihn auch nicht mitgebracht.", erklärte sie mir und mit einem Male bewegte sich Marvin wieder und schaute mich lächelnd an.
Jetzt begriff auch Caroline, dass die Zeit weiter lief und sie schaute mich schon fast bittend an. Als würde sie mich darum bitten, dass ich nett zu ihm sein sollte. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, ob ich das konnte. Aber ich würde es für sie versuchen.
"Hey, Care.", sagte ich freudig und tat so, als hätten wir noch gar nicht geredet. "Und hey, Marv.", sagte ich etwas weniger begeistert. Carolines Blick verriert mir, dass ich mich doch wohl noch etwas mehr anstrengen müsste.
"Schön, dass du endlich wach bist.", sagte Caroline einfühlsam und umarmte mich sofort. Jetzt erst ließ ich es zu. Ich blendete Marvin völlig aus und war einfach froh, sie in meinen Armen halten zu können. Ich war froh, ihr lebendiges Gesicht vor mir zu sehen. Einfach nur froh, dass sie noch da war. Noch bei mir war und nicht tot. Es war wohlmöglich das schönste Gefühl der Welt und ich glaube selbst Caroline verstand gerade noch nicht, wieso ich sie nicht wirklich aus der Umarmung befreien wollte.
"Da hat aber jemand meine Freundin wirklich vermisst, was?", sagte Marvin und fing an zu lachen.
Deine Freundin? Ich würde ihm am liebsten sein dummes Mundwerk stopfen, grinste aber nur falsch zurück. Ich musste es für Caroline tun. Einfach nett sein. Jaja, das war doch wohl machbar, nicht?
"Okay, Care. Ich muss unter vier Augen mit dir reden, ehrlich gesagt. Marv, du kannst dich sicherlich so lange alleine beschäftigen.", sagte ich ihr und lächelte Marvin freundlich an.
Ich glaube das Nettsein fiel mir in diesem Fall doch nicht so leicht. Tut mir leid, Marv. Ich kann ja nichts dafür, dass er ein Arschloch ist.
"Nur kurz.", sagte Caroline und schaute Marvin dabei nickend an. Ich sah ihm an, dass er ziemlich verwirrt war und ich sah ihm ebenso genau an, dass ihm das Ganze überhaupt nicht gefiel. Tja, mir gefiel es auch nicht, wie er Carolien behandelte. Karma is a bitch.
Als er den Raum verlassen hatte, konnte ich endlich aufatmen.
"Jack hat mir bereits alles erzählt, falls du darüber reden willst.", sagte sie mir sofort, bis ich überhaupt etwas sagen konnte. Sie glaubte anscheinend nicht daran, dass ich noch mehr gesehen hatte. Immerhin war eine ganze Woche wieder vergangen und wir keinen Schritt weiter. Jedenfalls wussten sie nicht, dass wir schon weiter waren.
"Glaubst du etwa, ich habe in dieser Woche Koma nichts gesehen, nichts geträumt?", fragte ich sie.
"Okay, schieß los. Ich bin ganz Ohr. Egal was es ist."; sagte sie und sie schien wirklich zuversichtlich zu sein.
"Zuerst bin ich froh, dass du hier bist, Care. Und ich bin froh, dass du meine beste Freundin bist.", sagte ich ihr und wurde wieder sentimental. Ach man, dieses Bild von ihr ging mir einfach nicht aus den Kopf, deswegen versuchte ich so lange es nur ging in ihr lebendiges, wunderschönes Gesicht zu sehen.
"Oh Gott. Jetzt machst du mir doch ein bisschen Angst."
"Es war alles ziemlich seltsam.", erklärte ich ihr. "Ich habe Jack und seine Schwester Allison gesehen. Da war sie noch lebendig, aber sie wusste bereits, dass sie sterben wird. Das hat mich so sehr an uns erinnert."
Caroline fasste sich nervös ins Gesicht und versuchte ruhig weiter zu atmen.
"Dann hoffe ich doch, dass uns das gleiche nicht auch widerfährt.", sagte sie mir und lächelte mich gezwungenermaßen an. "Du wirst mich retten. Uns retten."
Ich nickte jetzt und atmete noch einmal tief ein und aus. Ich hatte nicht viel neues herausgefunden, aber dennoch war es ein guter Anhaltspunkt. Ich hatte schon Angst es ihr zu sagen..aber sie musste es wissen, nur so können wir es verhindern.
"Ich habe auch dich gesehen. Im Fluss, nahe der Westwick-Bridge.", flüsterte ich schmerzerfüllt und musste dabei schlucken.
"Mich gesehen?", fragte sie vorsichtig.
"Ja.", antwortete ich nur.
"Also tot?", fragte sie mich. "Du kannst es ruhig sagen, ich meine, wir wissen, dass ich sterben werde, wenn wir es nicht aufhalten."
Plötzlich war sie die Stärkere von uns beiden. Jetzt gab sie mir Mut, dass wir es schaffen würden. Sie war zwar weiterhin ernst, aber wahrte ihre starke Fassade. Sie wollte jetzt nicht schwach vor mir wirken. Und es half mir. Wenn sie es schaffte, dann würde ich das doch auch. Für uns beide. Wir durften jetzt beide nicht schwach sein.
"Ja, tot. Im Wasser. Keine Ahnung, wie du gestorben bist, aber dein Körper trieb im Wasser.", erklärte ich ihr vorsichtig. Ich sah ihr an, dass sie diese Informationen erstmal verarbeiten musste.
"Okay.", sagte sie nur und ging nervöse Schritte nach links und rechts.
"Das ist mein nach Hause Weg. Den geh ich jeden Tag zur Schule und wieder zurück. Immer über diese Brücke."
"Ich weiß.", sagte ich nur. Ich wusste es. Ich wusste, dass das ihr Weg war.
"Du wirst diesen Weg nicht mehr gehen. Jedenfalls nicht an dem Tag, an dem du laut meiner Vision sterben sollst."
"Das ist klar..", sagte sie mir nachdenklich und starrte aus dem Krankenhausfenster.
"Meinst du, ich werde ermordet?", fragte sie mich vorsichtig. Bei der Frage musste ich wieder schlucken. Ich wusste es nicht, aber ich fragte mich, wie sie ein Unfall in diesen Fluss bringen sollte? Aber warum sollte sie ermordet werden? Das machte alles einfach überhaupt keinen Sinn.
"Lass uns lieber keine Möglichkeiten mehr ausmalen. Wir wissen jetzt schon so vieles, dass das nicht passieren wird. Das weißt du.", sagte ich ihr und versuchte sie damit aufzumuntern.
SIe drehte sich wieder zu mir und lächelte mich an.
"Du hast Recht. Alles wird gut. Genießen wir das Leben, so lange wir es noch können."
Das klang zwar wieder eher nicht zuversichtlich, aber ich verstand was sie meinte.
"Ich werde weiterhin versuchen Visionen zu bekommen. Wir müssen auf Nummer sicher gehen."
"Ich will nicht, dass du wieder im Koma landest oder dich sonst irgendwie in Gefahr begibst, Chris. Du scheinst deine Kräfte auch noch nicht richttig kontrollieren zu können."
Sie wirkte besorgt und das zurecht. Aber ich würde nicht aufgeben.
"Nein. Es war nur, ich hatte schlechten Gedanken, wie auf der Maskenballparty. Ich kann es kontrollieren und ich werde es auch." sagte ich ihr todernst.
"Du warst eine ganze Woche weg...", sagte sie wieder besorgt. "Ich dachte, du wachst nie wieder auf."
Sie wischte sich vorsichtig eine Träne aus dem Gesicht und umarmte mich wieder.
"Pass das nächste Mal einfach besser auf, ja?", flüsterte sie mir ins Ohr.
Im gleichen Moment öffnete sich auch schon wieder die Tür. Es war diesmal Jack.
Zuletzt bearbeitet von KayuB am 25.02.2017, 18:42, insgesamt einmal bearbeitet
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KayuB
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BeitragVerfasst am: 24.02.2017, 20:01    Titel: Unique Boy Antworten mit Zitat

-13-
Ich wollte an die frische Luft, raus in die Welt hinaus, nicht mehr in diesem Krankenhauszimmer eingesperrt sein. Ich war hier schon lange genug, auch wenn ich keine Erinnerung daran hatte.
Caroline ging zurück zu Marvin und ich ging mit Jack nach draußen, um ein wenig mit ihm zu reden. Ich musste mit ihm reden und ich war froh, dass er hier war und mich besuchte. Ich hätte nicht gedacht, dass ihm doch noch so viel daran lag, uns zu helfen.
"War gar nicht so leicht deinen Eltern zu erklären, was passiert ist.", sagte er mir. Wir gingen in dem kleinen Park spazieren, der direkt vor dem Krankenhausgelände lag. Die Sonne schien und es war ein wunderbarer Tag. Die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut gaben mir ein gutes Gefühl.
"Das glaube ich.", sagte ich.
"Ich meine, ich habe erzählt, dass du einfach bewusstlos geworden bist und dann das Chaos in deinem Zimmer. Ich habe versucht das Meiste noch aufzuräumen."
Ich schaute ihn an und musste sofort anfangen zu lachen. Denn ich konnte mir die Situationen genau in meinem Kopf vorstellen. Einerseits muss es furchtbar beängstigend für ihn gewesen sein, zu sehen, dass ich bewusstlos geworden bin. Schließlich hat er den Notruf allarmiert und in der Zwischenzeit das Chaos aus meinem Zimmer größtenteils beseitigt. Irgendwie witzig. Aber ich konnte auch nur darüber lachen, weil letztendlich Gott sei Dank alles gut gegangen ist.
"Ich bin dir wirklich dankbar dafür.", gestand ich ihm und schaute in seine eisblauen Augen. Die Sonne schien direkt in sein Gesicht und seine Augen strahlten mich förmlich an. Immer wenn ich ihn ansah, wurde mir ganz komisch. Sein Blick war anders als bei anderen Menschen. Ich konnte es selbst nicht erklären. Aber da war etwas in ihm, das mich wahnsinnig interessierte. Dennoch war ich mir bewusst, dass das alles hier rein freundschaftlich war und ich akzeptiere das auch. Ich akzeptierte mein Schicksal. Akzeptierte mein ewiges Singledasein. Ja...irgendwann gewöhnt man sich daran, also wollte ich auch keine weiteren Gedanken darüber verschwenden.
"Das habe ich gerne getan.", sagte er und formte sein Mund zu einem Lächeln. Wir gingen weiter spazieren und genossen das Wetter und die frische Luft.
"Ich hab dich und deine Schwester gesehen.", sagte ich gerade heraus und wartete seine Reaktion ab. Er blieb mit einem Male stehen und schaute mich verwundert an.
"Allison?", fragte er verwirrt. "Was hast du gesehen?"
Wurde er gerade etwa nervös? Oder eher wahrscheinlich einfach nur traurig?
"Ich hab nicht viel gesehen. Nur, dass ihr geredet habt. Sie saß am Piano und hat Musik gespielt und letztendlich habt ihr darüber geredet, dass sie bald sterben wird."
Jacks Gesichtsausdruck sprach Bände. Seine Mundwinkel gingen nach unten und in seinen Augen sah ich diese tiefe Trauer. Ich erkannte mich schon fast in ihn wieder.
"Das Leben ist nicht fair.", sagte er nur und wagte wieder einen langsamen Schritt nach vorne. Wir bewegten uns wieder. Für kurze Zeit herrschte auch Stille zwischen uns, aber das war okay. Manchmal musste man einfach nichts sagen. Manchmal sollte man eine Situation einfach auf sich wirken lassen und ich war mir sicher, dass er bemerkte, dass es mir furchtbar leid tat.
"Als nächstes hab ich Carolines Leiche im Fluss nahe der Westwick-Bridge gesehen.", sagte ich und musste schlucken. Dieses Bild ihrer Leiche brannte sich jedes Mal wieder in mein Gedächtnis, wenn ich darüber sprach.
"Wir sind uns vielleicht ähnlicher als du denkst. Du hast einen geliebten Menschen verloren und ich bin kurz davor.", sagte ich und machte eine kurze Sprechpause. Ich schaute auf die Bäume auf uns herum, wie prachtvoll sie aussahen. Schaute auf die wenigen Blätter, die von den Bäumen fielen und im Winde flogen.
"Vielleicht bist du deswegen so wichtig, weil wir ähnliche Schicksale teilen. Das ist wohlmöglich der Grund, warum ich erst deine Schwester sehe und dann Caroline. Wahrscheinlich ist es so etwas wie eine emotionale Verbindung."
Ich versuchte ihm meine Gedankengänge zu erklären. Gefühle spielen eine große Rolle bei meinen Kräften. Jack hat davon eine Menge, wenn man bedenkt, was er für seine Schwester empfindet...und diese Kräfte nutzte ich wohlmöglich, um Caroline das Leben zu retten. Das war wahrscheinlich der Grund, warum ich durch ihn Visionen provozieren konnte, um Caroline das Leben zu retten. Gefühle sind einfach so verdammt wichtig, wenn es um meine Kräfte geht. Eine andere Erklärung hatte ich nicht und das war wirklich die Plausibelste. Aber das hieße eben auch, dass ich noch mehr Zeit mit ihm verbringen müsste. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, aber das war nunmal die logische Schlussfolgerung.
Ich sah Jack an, dass er jetzt so nachdenklich war. Es war auch nicht leicht für ihn.
"Gut möglich.", sagte er und nickte. Jetzt blieb er wieder stehen und schaute mich wieder an. Ich wurde immer ganz nervös, wenn er mich so direkt anschaute. Aber langsam hatte ich den Bogen raus. Ich schaffte es immer mehr ihn einfach nur als einen Freund zu sehen. Als einen Freund, der mir einfach nur helfen wollte.
"Sie ist dir wirklich sehr wichtig, oder?", fragte er mich ernst.
"Ich kann gar nicht in Worte beschreiben, wie wichtig sie mir ist.", antwortete ich.
Nein, das konnte ich wirklich nicht. Ich fühlte es einfach und das musste reichen.
Er nickte nur verständnisvoll. Auch ihm wurde langsam bewusst, dass sie mir einfach alles bedeutete. Sie war der Mensch in meinem Leben, den ich komischerweise am meisten brauchte.
"Ich möchte euch wirklich helfen. Was hälst du davon, wenn wir morgen Abend, wenn du entlassen wirst, etwas essen gehen?"
Etwas essen gehen? Okay. Ich meine, warum nicht, aber wie kam er jetzt auf sowas.
"Also ich meine, wir müssen anscheinend Zeit miteinander verbringen, damit du diese Visionen bekommst. Und essen gehen ist immer gut.", sagte er und fing an zu grinsen. Ja, essen gehen ist wirklich immer gut und ich hatte auch keine Einwände. Auch wenn es irgendwie komisch war, dass er mit mir essen wollte. Aber ich meine, was soll man denn sonst machen? Essen gehen war schon ganz gut für den Anfang.
"Okay. Klingt gut.", sagte ich nur und musste lächeln. Es war eine gute Idee. Ich musste ihn näher kennenlernen, mehr Zeit mit ihm verbringen. Nur so konnte ich diese Visionen provozieren. Nocheinmal meine Kräfte unüberlegt dafür zu benutzen, könnte vielleicht wieder dazu führen, dass ich bewusstlos werde und somit noch mehr Zeit verliere. Nein...also mussten wir es vielleicht langsam angehen und hoffen, dass es funktioniert. Hoffen, dass alles gut wird.
"Soll ich dich abholen? Ich hab ein Auto.", fragte er und grinste mich wieder an.
Oh man. Das wäre wirklich toll, ja. Aber denk dran Chris, es ist freundschaftlich. Er ist hetero. Er hat eine Freundin. Du hast eine Mission zu erfüllen. Oh ja, so musste ich es sehen. Als einen Job.
"Das wäre echt cool.", sagte ich nur und versuchte locker zu wirken. Aber in den meisten Fälle schaffte ich immer genau das Gegenteil.
Ein Windhauch durchstreifte meine dunkelbraunen, wuscheligen Haare. Ich sah vermutlich furchtbar aus. Aber das war auch nicht weiter wichtig. Ich genoss das Gefühl der Sonnenstrahlen und des Windes. Es gab mir wieder ein gutes Gefühl. Ich war positiv gestimmt. Alles wird gut werden, das hoffte ich so sehr...

(So mal gleich zwei Kapitel an einem Tag, bin momentan irgendwie motiviert und da in diesen Kapiteln nicht so viel passiert, wollte ich sie mal eben schnell runterschreiben)
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