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Otto-Mühl
Diva


Anmeldungsdatum: 24.05.2010
Beiträge: 4145
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Verfasst am:
24.08.2012, 14:11 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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James george Frazer
Der goldene Zweig
Eine Studie über Magie und Religion:
Kapitel: Baumgeister:
Wie ernsthaft man es in früherer Zeit mit der Verehrung nahm, kann man aus der barbarischen Strafe schließen, welche die alten deutschen Gesetze denen auferlegten, die es wagten, die Rinde von einem lebenden Baume abzuschälen.
Der Nabel des Verbrechers mußte herausgeschnitten und an den Teil des Baumes genagelt werden, den er abgeschält hatte, und er mußte immer wieder um den Baum herumgejagt werden, bis alle Eingeweide sich um den Baum geschlungen hatten. Der Zweck der Strafe war augenscheinlich der, die tote Rinde durch etwas Lebendes von dem Körper des Verbrechers zu ersetzen._________________ Suche supergeilen Liliput. |
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Otto-Mühl
Diva


Anmeldungsdatum: 24.05.2010
Beiträge: 4145
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Verfasst am:
26.08.2012, 19:02 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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Kleiner Nachtrag zum Obdachlosenthread.
Hab's aus:
Jürgen Manthey - Deutschland, Ein Glossar.
Einhunderteinunddreissigster Band der Die andere Bibliothek.
(Und, ganz nebenbei, ein recht empfehlenswertes Buch).
In Italien ist eine bettelnde Mutter mit Kind, die die Passanten zu ihren Gaben veranlasst. In Deutschland ist es ein Mann mit Hund. In der hiesigen Einkaufszone hat ein Bettler die Psychologie seiner Landsleute besonders gut durchschaut. Er lässt seinen Hund immer wieder allein bei dem Teller für das Geld. Die Leute geben auch in seiner Abwesenheit. Wahrscheinlich mehr und bereitwilliger, denn sie geben nun dem Hund unmittelbar, noch dazu einem quasi verlassenen.
Woher kommt dieses Mitleid für Tiere bei größter Gleichgültigkeit gegenüber dem Elend von unseresgleichen? Ist es das erbarmen mit der Kreatur, wie sie von uns abhängt und für sich selbst hilflos ist in der Menschenwelt? Auf der Oberfläche der Gefühle, die gern für ihre Tiefe gehalten wird, mag das so sein. Doch die wirkliche Erklärung ist unser Konformismuszwang.
Jeder Mensch soll so sein, so leben wie wir selbst - und wir haben von klein auf verinnerlicht, so zu leben, wie die anderen es erwarten. Ein paradoxer Zirkel. Wer dabei aus der Rolle fällt, ist nicht mehr unseresgleichen. Eine soziale Stellung haben wir nur gegenüber denen, die sich genauso verhalten wie wir. Solidarität bringen wir also nur denen gegenüber auf, die diese gar nicht brauchen. Wer - aus welchen Gründen auch immer- aus dem sozialen Verband, mit seinen ungeschriebenen, aber verbindlichen Vorschriften ausgeschieden ist, hat nach dem Rudelprinzip jedes Recht auf Beachtung, auf Mitgefühl verwirkt, er ist aufgegeben.
Nur der, in dem wir uns wiedererkennen können, der uns wiederspiegelt, löst bei uns Empfindungen aus. Der Blick zum anderen hin dient unbewusst der Abklärung, ob er mächtiger ist, ob wir kuschen müssen oder uns aufspielen können. Eine Hundewelt. Die Bettler sind aus diesem System der gegenseitigen Selbstversicherung ausgeschieden. Und jenseits davon sind wir blind, taub, gefühllos.
Das muss das Gefühl für das "unschuldige, treue Tier" herhalten. De Beziehung des Bettlers zum Hund spiegelt unsere eigene Haltung zum Hund. An ihr können wir die Verantwortung nachvollziehen, nachempfinden, dass jener sein tägliches Fressen von uns, uns Menschen, braucht. In dem Punkt ist der zum Nichts gewordene Bettler auf einmal wieder einer von uns. Aber nur im Hinblick auf den Hund. So setzen wir ihn durch unsere Gabe instand, für den Hund zu sorgen, wie wir für den Hund sorgen würden.
[...]Ich bin sicher, dass Bettler ihre Hunde vorbildlich versorgen, sind sie doch die einzigen, die sie als Menschen, als überlegene und für sie verantwortliche Wesen anerkennen, spiegeln._________________ Suche supergeilen Liliput. |
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Otto-Mühl
Diva


Anmeldungsdatum: 24.05.2010
Beiträge: 4145
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Verfasst am:
09.09.2012, 15:38 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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So, Kapielski-Nachtrag.
Wer bezahlt ihn? Der Merve Verlag, der ja auch ganz prima ist, schreibe da in den nächsten Tagen noch etwas zum Wörterbuch des Krieges, falls ich mich daran erinnern werde.
Nun Kapielski:
Er ist durchgängig albern, mal wie der Goldt, dann Weltschmerz+, eine Zeile: Krebstod, nächste Technik übernächste Bockwurst.
Um die geht's nun auch:
1989, als Westberliner in Ostberlin:
So sann man dann poetisch verklärt über eine allumher seltsame Pigmentarmut hin. Das war das Beeindruckenste, die Farben oder besser, das Fehlen gewisser Farben. Die Tische hatten beinahe die gleiche mostrich-beige Einfärbung, wie die um uns herum verzehrten Bockwürste, welche ihrerseits blaß-gräulich und fleischfarben die sie verzehrenden Bockwurstesser kränklich-mimetisch nachstellten, wobei die Bockwurstessern, von gleicher Färbung wie der mostrich-eiserne Vorhang vorhin, sich senf-fahl wiederum den hiesigen blassen Tischen ähnlich machten.
Selbst der Senf selbst seimte senffarben in seinen grindigen Senftöpchen. Ein geschloßener Farbkreis, ein Rudolf-Steinerscher Goethefarbkreis in Mostrich, der mich gelind umfing. Dabei empfand man einen gewissen Schauer, einen sonst an Grelles gewöhnten und nun in Pigmentarmut schwelgenden Gemüts- und Farbtremor. Ausgerechnet in einem Wurstimbiß.
[...]Wir waren schockbunte, angesoffene Kakadus, die, ins graue Kollektiv gesenkt, pigmentarme Bockwürste fraßen.
Alsband also wunderte man sich über die Haltung der beigefarbenen Bockwurstesser, die alle nämlich, beim Wurstabbeißen in der Hüfte vornübergebeugt, ihre Oberbekleidung mit der Linken fest an sich drückten und dann so vorgebeugt ganz vorsichtig in die lederhäutigen Würste bissen, damit die aufplatzende Wursthülle das explosionsartig frei werdene Wurstwasser (aqua botulus) nicht unvermittelt auf Hemd oder Nebenhemden schleuderte. Ein merkwürdiges Bückbild: Alles stand so komisch vornübergebeugt!
Allumher so klagemäuerliche Verneigungen und asiatisches Begrüßen. Nur beim Biertrinken reckte man sich gewaltig, ging kurz auf einen Schluck in eine aufrechte Haltung über und duckte sich dann wieder zurück in die Bockwurstbücke.
Also man wollte nun selbst auch kein Wurstwasser aufs Westshirt und tat es den Einheimischen weise nach und verstand jetzt auch gleich einiges von der ganzen Haltung im Osten und überhaupt vom Produzieren von Haltung. Das ist dann, phänomenologisch, wieder gar nichts Tiefsinniges, wenn man einem a priori aufrechten Menschen mit Bockwürsten in ledriger Pelle im Laufe der Jahre eine gebückte als auch ständig furchtsam Umschau haltende Haltung unter Androhung von Wurstwasser annötigt und er letztlich nur noch beim Trunke im aufrechten Gang steht. So bedingen sich Wurst und Trunk und Macht einander!_________________ Suche supergeilen Liliput. |
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Driver8
Queen


Anmeldungsdatum: 16.08.2005
Beiträge: 7560
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Verfasst am:
06.10.2012, 02:03 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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aus: Michel Houllebecq - Ausweitung der Kampfzone
Die Handlung in Kürze: Ein junger Informatiker zerbricht an seinem mittelmäßigen Leben, seiner amurösen Frustration und seinem Groll auf bestimmte Tendenzen in der Gesellschaft. Er verfällt zunehmend in Depressionen und versucht, einen Kollegen zum Sexualmord anzustiften. Seine Reflexionen führt er die ganze Zeit in kryptischen, ziemlich konstruierten Tierfabeln aus, doch dann, als er sich schließlich selbst in die Psychiatrie begibt, beginnt er im Klartext zu schreiben. Hier finden wir die ergreifendsten Passagen des jungen Houllebecq. Das folgende Zitat ist eine solche Reflexion.
"Es gibt Menschen, die spüren sehr früh eine erschreckende Unmöglichkeit, auf sich allein gestellt zu leben; im Grunde ertragen sie es nicht, ihrem Leben ins Gesicht zu blicken und es als Ganzes zu sehen, ohne Schattenzonen, ohne Hintergründe. Ich räume ein, dass ihre Existenz eine Ausnahme von den Naturgesetzen ist, nicht nur, weil sich dieser Riss der fundamentalen Nichtanpassung außerhalb jeder genetischen Finalität vollzieht, sondern auch wegen der exzessiven Hellsichtigkeit, die er vorraussetzt, eine Hellsichtigkeit, die die Wahrnehmungsmuster der gewöhnlichen Existenz offenkundig überschreitet. Es genügt manchmal, ihnen einen anderen Menschen gegenüberzustellen, wobei dieser ebenso rein, ebenso transparent sein muss, wie sie selbst, damit dieser unhaltbare Riss sich in ein leuchtendes Streben auflöst, das beständig auf das absolut Unerreichbare gerichtet ist. Während ein Spiegel Tag für dTag daselbe trostlose Bild zurückwirft, planen und bauen zwei parallele Spiegel ein klares und dichtes Netz, welches das menschliche Auge auf einen unendlichen Weg ohne Grenzen führt, unendlich in seiner geometrischen Reinheit, jenseits aller Leiden, jenseits der Welt."_________________ Je n'ai pas rêvé cet héroïsme. Je l'ai choisi. On est ce qu'on veut. |
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Dresdner
Nutzer gelöscht
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Verfasst am:
06.10.2012, 04:30 Titel:
Re: die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen ha |
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| Driver8 hat folgendes geschrieben: | | "Es gibt Menschen, die spüren sehr früh eine erschreckende Unmöglichkeit, auf sich allein gestellt zu leben; im Grunde ertragen sie es nicht, ihrem Leben ins Gesicht zu blicken und es als Ganzes zu sehen, ohne Schattenzonen, ohne Hintergründe. ..." | ...es ehrt dich, dass du selbst darin etwas gutes, wahres oder... - nein, schön ist das nun würklich nicht - zu erkennen vermagst, aber... aber... das ist doch... zombieliteratur.
| Otto-Mühl hat folgendes geschrieben: | Bruno Schulz - August
Adela zog nach dem Saubermachen die leinenen Vorhänge zu und ließ Schatten in die Zimmer. Dann sanken die Farben um eine Oktave, dass Zimmer füllte sich mit Schatten, als wäre es in das Licht der Meerestiefe versunken, es wurde noch verschwommener von den grünen Spiegeln reflektiert, und die ganze Hitze des Tages atmete auf die Vorhänge, die sich von den Träumen der Mittagsstunde leise bauschten. | ...das hat pep.  |
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motheonlyone
Eisprinz


Anmeldungsdatum: 12.08.2011
Beiträge: 97
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Verfasst am:
06.10.2012, 05:20 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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Wenn auch ein schweres Geschütz, würd ich doch mal Platon ins Rennen schicken:
| Zitat: | | ] Das verdient an ihnen getadelt zu werden. So viel jedoch bitte ich von ihnen: An meinen Söhnen, wenn sie erwachsen sind, nehmt eure Rache, ihr Männer, und quält sie ebenso, wie ich euch gequält habe, wenn euch dünkt, dass sie sich um Reichtum oder um sonst irgend etwas eher bemühen als um die Tugend: und wenn sie sich dünken, etwas zu sein, aber nichts sind, so verweiset es ihnen wie ich euch, dass sie nicht sorgen, wofür sie sollten, und sich einbilden, etwas zu sein, da sie doch nichts wert sind. Und wenn ihr das tut, werde ich Gerechtes von euch erfahren haben, [42a] ich selbst und meine Söhne. Jedoch, es ist nun Zeit, dass wir gehen: ich, um zu sterben, und ihr, um zu leben. Wer aber von uns beiden zu dem besseren Geschäft hingehe, das ist allen verborgen außer nur Gott. |
Aus des Sokrates Verteidigung (Platons Werk "Apologie")
Im Kontext des Rests des Buches eine wahrlich nachdenklich machende und schöne Formulierung._________________ "7. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." Ludwig Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus |
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vince_snow
Nutzer gelöscht
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Verfasst am:
12.10.2012, 14:19 Titel:
Re: die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen ha |
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| tecumseh hat folgendes geschrieben: | | Oh ja, die homoerotische Episode im Zauberberg, als Hans Castorp beim Wandern Nasenbluten wegkriegt und sich an diesen Schulkameraden P. Hippe erinnert ... der ihm ja so gefällt, weshalb er ihn bittet ihm einen Bleistift zu leihen etc ... da schmeiß ich mich echt jedes mal vor Entzückung weg, wenn ich den Zauberberg lese. Göttlich. |
<3 <3 <3
Thomas, Klaus, Heinrich:
Mein Lieblings-Thomas-Mann-Zitat (bis jetzt) (aus "Der Tod in Venedig"):
"Die Beobachtungen und Begegnisse des Einsam-Stummen sind zugleich verschwommener und eindringlicher, als die des Geselligen, seine Gedanken schwerer, wunderlicher und nie ohne einen Anflug von Traurigkeit. Bilder und Wahrnehmungen, die mit einem Blick, einem Lachen, einem Urteilsaustausch leichthin abzutun wären, beschäftigen ihn über Gebühr, vertiefen sich im Schweigen, werden bedeutsam, Erlebnis, Abenteuer, Gefühl. " |
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Hlaine
Nutzer gelöscht
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Träumerei
Sonnenflüchter


Anmeldungsdatum: 20.08.2011
Beiträge: 562
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Otto-Mühl
Diva


Anmeldungsdatum: 24.05.2010
Beiträge: 4145
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Verfasst am:
07.11.2012, 16:20 Titel:
Re: die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen ha |
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| Dresdner hat folgendes geschrieben: | ...das hat pep.  |
Du musst offensichtliches nicht noch einmal explizit erwähnen!
Carzio Malaparte - Zwischen Erdbeben
Gestern abend war ich in einem Tal unweit von Heilbronn, im Neckartal, dem Tal der Dichter. An jenem dunkel bewaldeten Horizont entstand der wunderbare Wahnsinn Hölderlins; und noch heute liegt etwas von dem Wahnsinn in der Luft. Eine Gruppe von Leuten stand um einen Brunnen, und sie schrien, während sie sich über den Brunnenrand beugten. Eine Frau war hineingefallen, oder hatte sie sich hineingestürzt?
Ein paar waren losgelaufen, um ein Seil zu holen, einer kam mit einer Stange zurück, die Frau klammerte sich mit beiden Händen an die Stange, die Männer zogen die Stange hoch, und die Frau fiel mit einem dumpfen Plums zurück.
Plötzlich begann die Unglückliche zu schreien. Sie hatte eine kräftige und ruhige Stimme. Einer beugte sich über den Brunnen, richtete sich wieder auf und sagte: "Sie sagt, sie stirbt"."Nein!" rief gereizt einer der Männer.
Schließlich kam ein junger Bursche mit einem Seil, ließ sich in den Brunnen hinab und kam mit der Frau in seinen Armen wieder herauf. Sie war tot. Er legte sie auf den Boden, und ein Junge setzte sich neben die tote Frau und blickte mit erloschenen Augen um sich, ohne zu weinen. "Das ist ihr Sohn" sagte eine alte Frau. Ein Mann ging zu der Toten und begann sie ganz langsam auszuziehen. Er zog ihr auch die Schuhe aus. Er gab dem Jungen Geld und ging fort.
Der Junge zählte die Münzen neben der nackten Frau. Es regnete. Es war bereits Abend. Dann kam ein grauhaariger und gebeugter Mann mit einer Schubkarre, hob die Tote hoch und setzte sie in die Karre. Die Leute gingen schweigend und kopfschüttelnd auseinander. Dann kam ein magerer, blasser, glatzköpfiger Mann. Mit seiner Schere schnitt er der Toten das Haar ab, gab dem Jungen Geld und entfernte sich mit dem langen, weichen Haar in der Faust, das einem langen Pferdeschwanz ähnelte. Das war der Friseur von Heilbronn. |
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Otto-Mühl
Diva


Anmeldungsdatum: 24.05.2010
Beiträge: 4145
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Verfasst am:
14.11.2012, 12:07 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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Frank Schulz - Ouzo Orakel
Was mich dennoch irr und kirre machte, waren der Sängerin liebenswürdig- und Vertrauensseligkeit. Geradezu unverschämt, dachte ich, oder töricht. Denn falls sie nicht meinen sollte, mich könnte interessieren, wie lang sie nach einer Schleppe für Yps' Hochzeitskleid gesucht hatte, war es unverschämt, mich derart fettzuschwatzen.
Falls sie aber sehr wohl meinte, mich könne interessieren, daß sie von Hartmuths Ausgehuniform der Bundeswehr beeindruckt war, als sie sich auf einem Feuerwehrball im Kehldingen des Jahres 1872 näher kennenlernten, dann war sie töricht: So ein verluderter Bockmist sollte mich interessieren, weil sie Anno 1969 mal meine Schützenprinzessin gewesen war? Einunddreißig Jahre war das her. Ich hatte sie fast vergessen. Damals waren wir Kinder, heute Fremde. Interessant war allenfalls, daß es mich tatsächlich interessierte.
Denn natürlich kannte ich auch ihn. Ha!, sagte ich mir im stillen, als ich "Hartmut" und "Freymuth" addierte, selbstverständlich! Selbstverständlich hatte es Hartmut Freymuth sein müssen, von dem sich meine kleine Meurin befruchten ließ! Selbstverständlich hatte es dieser seelenlose Simpel sein müssen, dieser Hauptmann!
Während sie psalmodierte, bis die Sitzschale unter meinem Hintern schwitzte, erinnerte ich mich. Ein Kaltblüter, der nur lachte, wenn etwas umfiel oder sonstwie kaputtging (Vorausgesetzt, es gehörte nicht ihm). Ein beschränkter, aber zäher, kräftiger Streber. Ich hatte oft beobachtet- möglichst aus dem Schutz des Augustapfelbaums vor unserem Haus heraus-, wie er seine Widersacher auf dem Sportplatz ohne lang zu fackeln in den Schwitzkasten nahm, unfähig, Beleidigungen in gleicher Münze heimzuzahlen.
Nicht, daß nicht auch er Beleidigungen gern in gleicher Münze heimgezahlt hätte. Er war eben nur unfähig dazu: Ihm fiel nichts ein, nicht mal so was wie "selber Streber".
[...]Daß jener Hartmut Freymuth eines Tages im Jahre 1972 in Ausgehuniform der Bundeswehr auf einem Feuerwehrball in Kehdingen eine fünfzehnjährige Blondie in Schutzhaft nimmt- im Grunde nur folgerichtig. Ebenso, daß die Betroffene achtundzwanzig Jahre später fix und fertig ist. Keineswegs aber, daß sich diese Oper ausgerechnet eines seiner frühesten Opfer anhören muß, oder?
[...M....]
Sicher, noch habe ich keine Ahnung, wieviel von meinem Schicksal Manu und Karin ihr am Strand bereits referiert haben (Wie ich später erfuhr, immerhin Schlagzeilen: Arbeitslosigkeit, Doppelleben, Suff, Klapsmühle, Scheidung, Auswanderung). [...] |
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flamel
Nutzer gelöscht
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Verfasst am:
25.01.2013, 13:38 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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Mein aller liebster Absatz aus irgendeinem Werk ist Prosperos Endmonolog in "Der Sturm" von unserem lieben Shakespeare^^
| Zitat: | | Ihr Elfen der Hügel, der Bäche, stehenden Seen und Hayne, und die auf Sandbänken mit leichtem Fuß den ebbenden Neptun zurükstossen, und ihn fliehen, sobald er wiederkehrt; ihr kleinen Feen, die beym Mondschein im Gras die kleinen sauren Ringe machen, von denen das Schaaf nichts abfrezt; und ihr, deren Zeitvertreib ist, Mitternachts-Schwämme zu machen; die sich freuen den Ruf des feyrlichen Nachtwächters zu hören; durch deren Hülfe (so schwach ihr auch seyd) ich die mittägliche Sonne verfinstert, die widerspenstigen Winde herbeygenöthiget, und zwischen der grünen See und dem azurnen Gewölbe heulenden Krieg erregt habe; dem fürchterlich rasselnden Donner gab ich Feuer, und entwurzelte die Eiche Jupiters mit seinem eignen Keil; ich machte die Grundfeste der Vorgebürge zittern, und raufte die Fichte und die Ceder mit den Wurzeln aus: Gräber thaten auf meinen Befehl ihren Rachen auf, und liessen ihre Schläfer hervor, die meine mächtige Kunst erweket hatte: Aber alle diese rauhe Zauberkunst schwör ich hier ab, und wenn ich vorher eine himmlische Musik befohlen haben werde, wie ich izt thue, (ihre von jenem magischen Donner gelähmten Sinnen wieder herzustellen), so will ich meinen Stab zerbrechen, ihn etliche Klafter tief in die Erde vergraben, und tiefer als jemals ein Senkbley fiel, mein Zauberbuch im Meer versenken. |
Das ist einfach Kunst. Etwas total Kunstfernes hab ich auch noch, einfach nur, weil's mich zum Lachen gebracht hat:
| Zitat: | | He's my very own Christian Grey-flavoured popsicle |
Wer hats geschrieben? Die E L James, wer denn sonst^^ So ein schlechtes Buch wie das liest man selten  |
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Otto-Mühl
Diva


Anmeldungsdatum: 24.05.2010
Beiträge: 4145
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Verfasst am:
03.03.2013, 22:19 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Gattopardo:
Die Paul-Neyron-Rosen, die er als kleine Pflanzen selber aus Paris mitgebracht hatte, waren entartet, erst angeregt, dann von den starken, träge machenden Säften der Erde Siziliens erschlafft, von den apokalyptischen Juli-Monaten verbrannt, hatten sie sich in eine Art fleischfarbenen, obszönen Kohl verwandelt; aber sie verströmten einen dichten, fast schamlosen Duft, wie ihn kein französischer Züchter zu hoffen gewagt hätte. Der Fürst hielt eine von ihnen unter die Nase, und meinte den Schenkel einer Tänzerin von der Oper zu riechen. Bendico, dem die Rose auch hingehalten wurde, wich angeekelt zurück und beeilte sich, zwischen Dünger und ein paar kleinen Eidechsen zuträglichere Sinneseindrücke zu suchen._________________ Suche supergeilen Liliput. |
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clockwork
Fleißmaus


Anmeldungsdatum: 24.05.2012
Beiträge: 275
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Verfasst am:
03.03.2013, 23:51 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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Cassandra Clare Clockwork Prince:
I feel myself dissolving, vanishing into nothingness, for if there is no one in the world who cares for you, do you really exist at all?” |
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GrinseKatze
Sonnenflüchter


Anmeldungsdatum: 07.04.2011
Beiträge: 547
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Verfasst am:
04.03.2013, 16:00 Titel:
die tollsten absätze aus den büchern, die ihr gelesen habt |
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Yana Toboso - Black Butler Band 3
In einer stürmischen Nacht, zur dunkelsten Stunde, in der Traum und Hoffnung sich verirren
ward ich heimgesucht von einem großen Raben, der über meinem geisterumnebelten Haupte schwirrte.
So sprach der Rabe mit traumverhangenen Blick
"Was einmal verloren, kehrt niemals zurück. Nimmermehr!"_________________ Der beste Umgang mit Tieren ist es, ungenießbar zu sein.
Alle Menschen sind gleich, aber einige sind gleicher. |
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