| |
| Autor |
Nachricht |
Bilinearform
Hasenzahn


Anmeldungsdatum: 28.10.2009
Beiträge: 39
|
Verfasst am:
11.09.2012, 00:22 Titel:
Re: Gesundheit als moderne Religion |
|
|
| mockingbird93 hat folgendes geschrieben: |
mit dem übertriebenen Gesundheitsbewusstsein meine ich wirklich nur das Bewusstsein. wieviele sich an ihre eigenen Wertvorstellungen halten ist eine ganz andere Sache. Damit ist eher gemeint das du hier zum Beispiel 75% Übergewicht in der Bevölkerung als abschreckende Zahl anführst.
|
Ich führe hier aber nicht wegen meinem Gesundheitsbewusstsein solche Zahlen an, sondern um deine Gedanken zu widerlegen, die ich halt so überhaupt nicht nachvollziehen kann.
Was du jetzt genau mit Bewusstsein und Glaube meinst, ist mir immer noch unklar. Die Leute "glauben" also, dass bestimmte Handlungen, die sie tun schlecht für ihre Gesundheit sind, aber gleichzeitig tun sie nichts dagegen? Das alles hat doch aber mit Glaube und Religion rein gar nichts zu tun, sondern das ist eben(objektiv nachvollziehbares) Wissen. Davon abgesehen widersprichst du dir gerade selbst:
| Zitat: |
die Gesundheit selbst nur ein vorgeschobener Grund ist um sich nach etwas richten zu können?
|
Aber danach richten tun sie sich ja offenbar gar nicht?
| Zitat: |
Zu erwähnen wäre, das leichtes Übergewicht keinesfalls gesundheitsschädlich ist und niemandem schadet nur weil es nicht dem heutigen Zeitgeist entspricht.
|
Das ist glaube ich umstritten, aber ich bin auch kein Mediziner, um das beurteilen zu können. Aber selbst wenn, gibt es noch einen sehr großen Anteil von Adipositas-Betroffenen und das ist garantiert nicht gesund.
| Zitat: |
zum Thema "jämmerlich an Krebs zugrundegehen" sei gesagt dass jeder irgendwann "jämmerlich" an Krebs, Altersschwäche, Schlaganfall oder sonstwas sterben wird, dass du nicht rauchst heißt noch lange nicht, dass du nicht sterben musst, letztendlich geht es doch wieder nur um die Zeitfrage, die ich bereits im Ausgangstext gestellt habe
|
OK, das mag sein, aber es geht ja nicht nur ums Sterben, sondern auch darum, was du so bis zu deinem Tod durchmachen musst, also v.a. chronische Erkrankungen, die dadurch begünstigt werden. An einer chronischen Bronchitis stirbt sicherlich nicht jeder gleich, aber für das Umfeld und denjenigen selbst kann das sehr nervend sein. Genauso ist man nicht automatisch tot, sobald Krebs diagnostiziert wird, aber trotzdem ist es sicherlich nicht gerade angenehm, sowas durchzumachen.
Und natürlich geht es auch um Lebenszeit. Es ist doch selbstverständlich, dass die meisten Leute nicht möglichst früh sterben wollen.
| Zitat: |
dein Argument bezüglich des Zusammenhangs von Rauchen und Bildung ist leider argumentativ völlig unbrauchbar, auf diese Weise könnte ich dir genauso gut erzählen dass der Klimawandel mit der sinkenden Anzahl von Piraten zu tun hat(siehe Pastafari )
|
Es geht doch gar nicht darum, ob etwas in irgendeiner Weise kausal zusammenhängt, sondern um Rechtfertigungen für Vorurteile der Art "Wer raucht, ist dumm." (und nicht "Wer raucht, WIRD dumm.") und die kann man eben rein statistisch begründen, d.h. wenn du einen Raucher und einen Nicht-Raucher hast, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ersterer eine höhere Bildung hat, um einiges höher als bei letzterem. Was da jetzt die genauen Gründe sind, ist vollkommen irrelevant.
Außerdem würde ich einem Raucher auch pauschal eine gewisse Charakterschwäche vorwerfen, denn die meisten fangen doch nicht alleine im stillen Kämmerlein an, weil der Tabak so gut schmeckt.. (betrifft natürlich auch Alkohol etc.)
| Zitat: |
Und auch vor 20-30 Jahren war man sich den gesundheitlichen Konsequenzen des Rauchens sehr wohl bewusst du scheinst die "graue Vorzeit" zu unterschätzen
|
In der aktuellen Forschung vielleicht, aber im gemeinen Volk war man sich damals bestimmt weniger der Konsequenzen bewusst als heute.
| Zitat: |
und zu guter Letzt zu deinem Einwand, dass Raucher ja auch anderen schaden würden. Das man sich nicht direkt neben einen Nichtraucher stellt und ihm ins Gesicht pafft ist eine Frage der Höflichkeit und sollte selbstverständlich sein, aber dass man raucht heißt noch lange nicht, dass man andere zum Passivrauchen zwingt.
|
Das ist doch aber in der Realität meistens doch der Fall, ich spreche da aus eigener leidvoller (v.a. familiärer) Erfahrung...
| Zitat: |
Und wenn du jetzt argumentierst, dass der Rauch ja auch teilweise eingeatmet wird, wenn man weiter weg steht, dann sag doch bitte auch den egoistischen Autofahrern, dass sie zu Fuß gehen und dich nicht mit ihren Abgasen belästigen sollen. |
Sicherlich, wäre auch dafür das einzudämmen, aber das hat jetzt mit dem Thema nichts zu tun und schlechte Sachen sollte man nicht durch noch schlechtere rechtfertigen. |
|
| Nach oben |
|
mockingbird93
Diva


Anmeldungsdatum: 11.07.2012
Beiträge: 1018
|
Verfasst am:
11.09.2012, 08:25 Titel:
Gesundheit als moderne Religion |
|
|
ich habe ja nicht davon gesprochen, dass sich niemand daran hält, sondern dass es einige gibt die zu schwach sind das an das sie "glauben" dann auch konsequent durchzuziehen.
Das meine ich mit "nur" Bewusstsein, das man sich etwas bewusst ist beinhaltet noch keinerlei Handlung. Es hat einen Grund, dass ich Begriffe wie "glauben" hier durchgehend in Anführungszeichen setze.
"glauben" ist in Bezug auf das Gesundheitsbewusstsein nicht klassisch religiös gemeint sondern soll lediglich den Vergleich zur Religion erleichtern. Es ist in sofern mit einer Religion zu vergleichen, dass es ein vorgefertigtes Wertesystem bietet, welches der Durchschnittsmensch nun mal zu brauchen scheint.
Eben dadurch, dass die Gesundheit etwas rationales ist, ist sie eben als Ersatz zur Religion zu betrachten, dessen Glaubensinhalt irrational ist.
Diese Rationalität der Gesundheit selbst, bedeutet aber noch lange nicht, dass jeder rational darüber denkt. Das Bedürfnis nach einem rationalen Glaubensinhalt entspringt eben meistens nicht dem Bedürfnis, alles erklären können zu wollen, sondern lediglich dem Bedürfnis als aufgeklärt zu gelten.
So lang du meinen Grundgedanken bei dieser Idee nicht verstehst reden wir leider zwangsläufig aneinander vorbei. Ich denke du betrachtest das Thema etwas zu oberflächlich, was sich unter anderem ziemlich deutlich an folgendem Sätzen erkennen lässt.
| Zitat: | | Und natürlich geht es auch um Lebenszeit. Es ist doch selbstverständlich, dass die meisten Leute nicht möglichst früh sterben wollen. |
Du sagst das so selbstverständlich ohne auf meine zugehörige Frage einzugehen. Warum willst du überhaupt so viel Lebenszeit wie möglich haben? Was willst du mit dieser Zeit anfangen? Inwiefern würdest du darunter leiden 10 Jahre weniger auf dieser Welt zu haben?
Ich möchte dich gern dazu animieren, nicht nur in diesem Thread sondern überhaupt, etwas über den Tellerrand zu schauen._________________ Hey sexy Mama, willst du alle Menschen umbringen? |
|
| Nach oben |
|
Bilinearform
Hasenzahn


Anmeldungsdatum: 28.10.2009
Beiträge: 39
|
Verfasst am:
11.09.2012, 10:44 Titel:
Re: Gesundheit als moderne Religion |
|
|
| mockingbird93 hat folgendes geschrieben: | ich habe ja nicht davon gesprochen, dass sich niemand daran hält, sondern dass es einige gibt die zu schwach sind das an das sie "glauben" dann auch konsequent durchzuziehen.
|
Es sind aber nicht nur "einige", sondern eben die überwiegende Mehrheit.
| Zitat: |
Das meine ich mit "nur" Bewusstsein, das man sich etwas bewusst ist beinhaltet noch keinerlei Handlung. Es hat einen Grund, dass ich Begriffe wie "glauben" hier durchgehend in Anführungszeichen setze.
|
Ja, du meinst also, die Leute glauben nur daran, aber bisher hast du immer noch keinen einzigen Beleg dafür gebracht, warum bzw. überhaupt inwiefern sie das denn nun tun.
Meiner Meinung nach braucht man auch überhaupt keine (organisierte) Religion, um nicht völlig orientierungslos durchs Leben zu treiben, sondern die meisten richten sich doch danach, was sie im Leben in irgendeiner Weise "glücklich" macht, wobei das jeder Mensch dann individuell entscheiden muss, was für ihn das genau bedeutet. Gesundheit ist da sicherlich ein wichtiger Aspekt, aber eben auch nicht der einzige und ich erkenne nirgendswo, dass man dem heutzutage nun eine übertriebene Bedeutung beimisst wie von dir behauptet.
| Zitat: |
Diese Rationalität der Gesundheit selbst, bedeutet aber noch lange nicht, dass jeder rational darüber denkt. Das Bedürfnis nach einem rationalen Glaubensinhalt entspringt eben meistens nicht dem Bedürfnis, alles erklären können zu wollen, sondern lediglich dem Bedürfnis als aufgeklärt zu gelten.
|
Ja, das ist richtig, es denken darüber erstaunlich viele nicht rational. Homöopathie und sonstiger Käse feiern ja Hochkonjunktur hier in Deutschland. Das hat aber meiner Meinung weniger mit einem höheren Bedürnis nach Aufklärung zu tun, sondern eher mit fehlendem Wissen der Patienten, mit dem Placebo-Effekt und gutem Marketing der entsprechenden Lobby-Verbände.
| Zitat: |
Du sagst das so selbstverständlich ohne auf meine zugehörige Frage einzugehen. Warum willst du überhaupt so viel Lebenszeit wie möglich haben? Was willst du mit dieser Zeit anfangen? Inwiefern würdest du darunter leiden 10 Jahre weniger auf dieser Welt zu haben?
|
Äh, ganz einfach, ich könnte viele schöne Dinge zusätzlich in diesen 10 Jahren erleben bzw. mein Leben genießen. Und wie bereits gesagt, geht es nicht nur um die reine Lebenszeit, sondern auch um Lebensqualität.
Meiner Erfahrung nach ist das Leid aller Beteiligten bei potentiell tödlichen Krankheiten bei jüngeren Menschen auch ungleich größer als bei älteren Menschen, die quasi wissen, dass es sowieso bald vorbei ist. |
|
| Nach oben |
|
|
|